3:00 Uhr, der Tag beginnt. Julias Motivation aufzustehen ist gleich 0! Ich starte mit einem doppelten Espresso, packe die letzten Sachen und schon gehts zum Bahnhof, von wo aus wir mit dem Tingelzug nach Köln fahren. Die Zeit zum Umsteigen in den ICE nach Frankfurt reicht gerade noch, um für Julia eine Kleinigkeit beim Bäcker zu kaufen. Ihre Laune wird ein wenig besser. Drei Stunden Fahrt in der ersten Klasse vergehen wie im Flug. Was werden wir uns noch nach den bequemen Sitzen dort sehnen!
Auch am Flughafen klappt alles wie am Schnürchen, keine Probleme, keine Verspätungen. In der Bar, an der wir versuchen, unseren Flüssigkeitshaushalt wieder in Ordnung zu bringen, hüpft kurioser weise ein Rotkehlchen durch die Stuhlreihen und pickt Brotkrümel auf. Kevins Versuche, das Tierchen mit seiner neuen GoPro-Kamera einzufangen, scheitern. Was soll’s? Noch einmal pinkeln gehen, und dann ist auch schon Boarding.

Wir sitzen ganz hinten, keine nervigen Personen um uns herum. Niemand stinkt, kein Kind weint. Kann das wirklich wahr sein? Es wird zu Kevins großem Vergnügen noch besser, denn als Lunch erwarten uns Thai-Curry oder Canneloni. In wenigen Millisekunden steht seine Wahl fest. Dazu ein Plastikbecher voll Weißwein, alles läuft super. Da kümmern uns auch die kurzen Turbulenzen über Grönland kaum.
Sechs Stunden Flugzeit später machen sich erste Erschöpfungssymptome bemerkbar. Unglaublich, wie schlauchend es sein kann, in einem engen Sitz zu hocken, trockene Luft zu atmen, mit essen und stillem Mineralwasser vollgestopft zu werden, nicht pupsen zu können wann und wie man möchte und überall im Weg rumsteht wenn man sich die Beine vertritt.
Kurz vor Ende des Flugs geht gar nichts mehr. Die Kabine ist Zwangs-verdunkelt, damit die Passagiere schlafen und das Personal in Ruhe lassen. Nach drei Filmen am Stück brennen die Augen, schlafen kann man aber auch nicht vernünftig, ohne dass einem das Kinn auf die Brust sinkt. Julias Kreislauf liegt am Boden. Sie ist dementsprechend unausstehlich. Zum Glück heißt es bald, dass der Sinkflug begonnen wird. Der endet abrupt auf 1500 m ü.N.N. auf der Landebahn, denn Denver liegt erstaunlich hoch. Raus aus dem Flieger, die Koffer geschnappt und das erste mal Uber ausprobieren. Auch das geht überraschend unkompliziert. Unserer Fahrer Kyle befördert uns angenehm durch die Rushhour und löchert uns dankenswerter weise nicht mit den üblichen Fragen „Wehre are you Guys from?“ oder „Where are you heading to?“
Endlich auf die Hotekissen gesunken, kann mich nichts mehr dazu motivieren, noch einmal aufzustehen. Auch nicht der Vorschlag, den Swimmingpool im Erdgeschoss auszuprobieren. Um vier Uhr nachmittags Ortszeit, circa 24 Stunden nach Reisebericht, ratze ich sofort weg.