6 Uhr und die Sonne scheint mir ins Gesicht. Julia lässt sich davon nicht beeindrucken und schläft wie ein Baby. Ich bereite schonmal das Frühstück vor. Heute gibt es Speck und Rührei. Beim Anbraten des Specks löse ich den Rauchmelder aus und der ganze Campingplatz ist wach. Nicht, dass Julia in schöner Regelmäßigkeit darauf hinweist, dass man beim Kochen vielleicht besser das Fenster öffnet und den Abzug anmacht…
Nach dem Frühstück das übliche Prozedere, Duschen, Dumpen und Wassertank auffüllen. Anschließend fahren wir in die nächstgelegene Kleinstadt Cortez, um unsere Vorräte aufzufüllen. Der Walmart enttäuscht uns nicht. Nur der erhoffte Kaffee bei Starbucks, denn der liegt wenig einladend mitten in einem Discount Market. Wir entschließen uns, weiter zu fahren, und unser Glück woanders zu versuchen.
Ziel unserer heutigen Reise ist das Natural Bridges National Monument, wo ein kleiner Vetter vom Colorado-River in einem Canyon den Fels so ausgehöhlt hat, dass nur noch die oberste Steinschicht stehen geblieben ist. Die Sonne scheint vom Himmel und Kevin wäre nicht Kevin, wenn er nicht gleich die Gunst der Stunde nutzt und zu einem 10-km-Marsch bläst. Es geht runter zum Grund des Canyon – nicht über Treppen – es sind hin und wieder Haltestangen in den nackten Fels getrieben worden, ansonsten geht es einfach nur runter. Unten angekommen genießen wir den Anblick der Steinbrücke von unten, treffen mal wieder auf Amerikaner, die schon in Deutschland waren und da nochmal Urlaub machen wollen, und beginnen die Wanderung entlang des kleinen Bachs zur nächsten Steinbrücke. Die ist fünf Kilometer entfernt. Alles gar nicht schlimm, wir werden für die Mühe mit einem grandiosen Bild belohnt.
Wäre da nur nicht der 200 Fuß hohe Aufstieg und dann noch weitere drei Kilometer über Stock und Stein durch die Pampa zurück zum Parkplatz… Völlig erschöpft kommen wir fünf Stunden nach unserem Aufbruch wieder am Wohnwagen an.
Der kleine Campingplatz im Nationalpark ist leider schon voll, also werden wir auf eine Parkfläche an einem Highway verwiesen. Der ist bis auf zwei weitere Fahrzeuge aber leer und eigentlich sehr idyllisch. Da die Sonne immer noch scheint, wirft Kevin zwei 400-g-Steaks auf den Grill. Endlich richtig schön amerikanisch Campen!