06:00 Uhr. Schon wieder eine Stunde Zeitverschiebung! Wir liegen hier genau auf der Grenze zwischen zwei Zeitzonen, daher ist nie ganz klar wieviel Uhr gerade ist. Nach dem Frühstück machen wir uns zeitig auf den Weg. Heute will sich Kevin den Glen Canyon Dam aus der Nähe anschauen. Die geführten Touren werden nach dem Prinzip „wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ vergeben. Wir haben Glück und die Tour, die in Kürze startet, hat noch Plätze frei. Wir erhalten eine 45-minütige Führung durch die Staumauer, bis runter in die Turbinenhalle und erfahren alles über seinen Bau und Nutzen. Für 10 $ ist das eine wirklich faire Sache.
Nach der Besichtigung des Glen Canyon Dam wollen wir uns eine Tour zum Antelope Canyon sichern. Wir bekommen eine Tour für 15 Uhr. Die Zeit bis dahin nutzen wir für einen Besuch des Horseshoe Bend, eine besonders malerische Schleife des Colorado Rivers, von der touristisch erschlossenen Felsklippe aus ein spektakulärer Ausblick. Und als hätten sie sich bis dato in Erdlöchern versteckt, stößt man plötzlich auf Heerscharen von Chinesen, die hier wie üblich mit großen Reisebussen angekarrt werden, während alle anderen Touristen mit Wohnmobil oder Auto anreisen. Der Parkplatz des Horse Shoe Bend gleicht einer Pilgerstätte. Alles wandert den etwa einen Kilometer Trampelpfad durch die Wüstensteppe Richtung Canyon rauf und runter. Nach ein paar Minuten im Gedränge erblicken wir außerhalb des umzäunten Bereichs eine Klippe, von der man Fotos schießen kann, ohne fremde Körperteile auf dem Bild zu haben. Wir nutzen unsere Chance und ergattern ein paar davon, bevor wir von der nächsten Gruppe Chinesen verscheucht werden.
Der Weg zurück zum Parkplatz ist ziemlich schlauchend, uns wird schnell klar, warum überall Warnschilder stehen, auf denen „Bring plenty of Water!“ steht. Mittlerweile sind es gefühlte 30 °C und die Sonne brennt vom Himmel. Da wir danach noch rund zwei Stündchen Zeit totschlagen müssen, fahren wir zum nächstgelegenen Starbucks und erfrischen uns mit Frappés. Danach fahren wir mit gemischten Gefühlen Richtung Antelope Canyon. Vermutlich wird das Gedränge dort nicht weniger werden…
Allerdings ist diese Sorge unbegründet. Unser Tourguide Kevin ist wieder einmal ein sympathischer Typ und unsere Gruppe besteht nur aus neun Personen. Tatsächlich gibt uns Tourguide Kevin reichlich Tipps für gute Fotos, weist auf optimale Belichtungen und Filter hin und macht darüber hinaus mit jedem Pärchen ein halbes Dutzend Fotos ohne fremde Touristen im Hintergrund. Damit hat er sich sein Trinkgeld wirklich mehr als verdient.

Als wir um halb fünf wieder zu Tage kommen, sind wir ziemlich durch. Kevin haut sich hinters Steuer und wir düsen durch die Prärie Richtung Lee‘s Ferry. Dort liegt ein kleiner idyllischer Campingplatz direkt am Flussufer des Colorado, auf dem es deutlich ruhiger zugeht, als mitten in Whawhep, dem absoluten Touristikzentrum für den gesamten Südwesten der USA. Wir ergattern einen tollen Platz und schmeißen den Grill an. Den restlichen Abend genießen wir bei inzwischen angenehmen Temperaturen.