Wie der Wetterbericht bereits angekündigt hat, fängt es am frühen Morgen an zu regnen und hört auch vorerst nicht mehr auf. Nicht, dass das die Scharen an Touristen aufhalten würde, die sich in den Nationalpark drängen. Um zehn Uhr ist der Parkplatz bereits voll und wir fahren in den kleinen Vorort, um duschen zu gehen. Leider gibt es im gesamten NP keine Duschen und da unser Wasserheizer immer noch kaputt ist, müssen wir uns nach Alternativen umsehen. Wir finden einen der beiden einzigen Läden, die Duschen anbieten und schlagen bei einem Angebot von 5 § für sieben Minuten zu. Auf dem Hinterhof steht eine Wellblechhütte, in der drei winzige Nasszellen zusammengeschustert worden sind. Die Bude hätte etwas von nostalgischem Prärie-Charme versprüht, wenn es nicht an allen Enden reingeregnet hätte. Wir beeilen uns (der Kälte wegen) so sehr, dass sogar eine der beiden Duschmarken gereicht hätte. Da der Umtausch aber natürlich ausgeschlossen ist und wir morgen früh keine Zeit mehr zum Duschen haben werden, gibt es weitere sieben ungenutzte Minuten warmes Wasser.
Wieder zurück um Nationalpark hat sich das Wetter nur wenig gebessert. Das hiesige „Museum of Human History“ ist eigentlich viel zu klein um sich Museum nennen zu dürfen. Nach wenigen Minuten sind wir bereits durch. Kevin will unbedingt noch zum Angels Landing, ein Aussichtpunkt, der so weit oben in den Felsen liegt, dass die Leute von damals meinten, nur Engel könnten so hoch aufsteigen. Und da will Kevin rauf! Von unten an der Straße sieht man winzige bunte Fetzen, vermutlich Touristen, am Rande einer über 400 m hohen Steilwand. Der Weg windet sich in 21 Zickzack-Kurven am Fels entlang, hinter jeder Biegung muss ich verschnaufen. Kevin hat mir versprochen, dass wir nur so weit gehen, wie ich kann und am Ende ein kleines Leckerli im Café in der Canyon Lodge erhalte. Drei Stunden Gejaule später erreichen wir eine Biegung, von der aus man einen herrlichen Blick in das malerische Tal des Virgin River hat. Tatsächlich reißt zwischen zwei Gewitterformationen sogar der Himmel kurz auf und schenkt uns ein paar Strahlen Sonne, um das Panorama festzuhalten. Während ich mich auf eine schmale Mauer setze, will Kevin „nur kurz um die nächste Ecke gucken“. Er lässt mich eine halbe Stunde allein, dann kommt er wieder und meint, wir wären so gut wie oben. Da sich der Himmel aber bereits wieder dunkel verfärbt und der letzte Kilometer vollkommen frei auf einem Berggrat verläuft, beginnen wir mit dem Abstieg. Nach gefühlten zehn Minuten sind wir wieder unten an der Bus-Station.
Der Besuch im „Café“ ist mehr als enttäuschend. Nicht nur, dass es sich dabei um einen Selbstbedienungsladen handelt, nein, die Kaffeemaschine ist auch hin und sie können uns nur Filterkaffee anbieten. Die Softeismaschine ist ebenfalls nicht in Betrieb und Leckereien in Süß gibt es auch keine. Meine Laune sinkt unweigerlich, also fahren wir zurück zum Campingplatz und machen uns Ravioli in Tomatensoße. Dazu das obligatorische Glas Wein im Plastikbecher.
Heute heißt es zeitig schlafen gehen, da wir uns morgen bereits früh auf den Weg in Richtung Bryce Canyon machen wollen, um dort noch eine schöne Site auf dem Campingplatz zu ergattern.