Die Nacht war mehr als unruhig. Es hat geregnet, geblitzt, gedonnert und zeitweise heftig gehagelt. Und die Hagelkörner waren nicht gerade klein. Kurzzeitig hatten wir Angst, dass sie uns ein Loch in die dünne Pappdecke schlagen.
Am nächsten Morgen steht unser Camper in einer riesigen Pfütze. Aus dem Blätterdach über uns tropft es stetig und wirklich nervtötend laut aufs Dach. Gut, dass wir heute sowieso früh los wollen. Ein paar Cornflakes, Kaffee (für Julia warme Milch mit Honig) und schon geht’s los. Die Bergspitzen um uns herum sind mit Schnee angezuckert. Um so höher wir kommen, desto mehr Schnee ist vergangene Nacht liegen geblieben. Uns wird mulmig, als uns immer mehr Autos mit mehr als zehn Zentimetern Schnee auf dem Dach entgegen kommen. Die Straßen sind aber glücklicherweise noch frei.
Auf dem Weg zum Bryce Canyon entdecken wir ein Schild mit „Forschers German Bakery“. Wir legen natürlich sofort einen Stopp ein. In der Bäckerei gibt es tatsächlich ein paar heimische Köstlichkeiten. Zwar vermissen wir Brötchen (die sind wahrscheinlich schon aus), doch es gibt richtiges Graubrot. Außerdem gönnen wir uns eine Nussecke und einen Streuseltaler. Himmlisch!
Bryce Canyon liegt unter tiefem Schnee begraben. Nichtsdestotrotz machen wir uns gleich auf den Weg zum Campground, um dort noch ein schönes Plätzchen zu ergattern. Das gestaltet sich jedoch als schwierig, da hier bedeutend mehr Schnee liegt, als noch im Zion NP. Zudem hat es noch niemand für nötig gehalten, den Schotterpfad zu räumen. Kevin quält sich und den Camper durch 20 cm Tiefschnee. Es gibt zwar noch reichlich freie Plätze, doch die sind entweder nicht zu erkennen oder durch Schneeberge unzugänglich. Nach ein wenig Suchen gibt uns Jemand ein Zeichen, dass sein zumindest teilweise schneefreier Stellplatz gerade frei wird. Kevin bugsiert das WoMo mit ein wenig Hin- und Hergerutschte auf den Stellplatz.
Dann kurze Lagebesprechung, denn für solches Wetter sind wir nicht gerüstet. Wir geben der ganzen Sache noch eine Chance und stapfen rüber ins Visitor Center. Der Wetterbericht kündigt für den Rest der Woche mal mehr oder weniger Schnee an. Wir nehmen das kostenlose National Park Shuttle und halten an den wichtigsten View Points, die Aussicht ist aber leider stark vernebelt. Immerhin erhaschen wir einen kurzer Blick auf die für den NP charakteristischen Felssäulen, Hoodoos genannt. Dann kehren wir Bryce Canyon den Rücken und fahren ins Flachland, Richtung Capitol Reef NP. Angeblich soll dort kein Schnee liegen.
Auf halber Strecke machen wir Rast im Escalante Petrified Forest State Park und bleiben auf einem kleinen süßen Campingplatz (kostenlose Dusche, yeah!) direkt am See. Die Nacht war doch etwas kurz und wir sind beide ziemlich erschöpft. Nachdem wir uns ein paar ordentliche Scheiben unserer Brots mit Suppe reingezogen haben, ist es Zeit für ein Mittagsschläfchen.
Am späten Nachmittag, um wieder in Schwung zu kommen, ein kurzer Spaziergang durch das Umland und einen Hügel hinauf, um die namensgebenden versteinerten Bäume zu sehen. Auf dem Trail sind wir ganz allein, denn das Wetter ist nicht das beste. Der Untergrund besteht aus Lehm- und Tonschichten in allen möglichen Farben (deswegen von den Ureinwohnern Land der schlafenden Regenbögen genannt), der bei Regen jedoch ziemlich pratschig wird. Als wir uns einen kunterbunten Felsen ansehen, der vor Millionen Jahren mal ein Baum war, sehen wir uns plötzlich Auge in Auge mit einer kleinen Gruppe Hirsche. Sie starren genauso überrascht wie wir, dann trappeln sie langsam davon. Kurze Zeit später erblicken wir noch einen Hasen. Auf dem Rückweg, wie soll es auch anders sein, werden wir von einem Schauer erwischt. Gut, dass wir wenigstens für dieses Wetter gerüstet sind.