Tag 12 – 17.05. Zion National Park

7:00 Uhr. Die Nacht blieb sehr stürmisch, irgendwann hat es mal wieder geschneit, denn als wir heute morgen aufgestanden sind, waren noch einige Fetzen Weiß zu sehen. Heute steht der Zion National Park auf dem Programm; mein persönliches Highlight dieser Reise. Nach dem Frühstück beginnt auch Julias Highlight: ihre erste Fahrstunde mit dem Wohnmobil. Wir haben beide Sorge, die Fahrt nicht heile zu überstehen, aber Julia schlägt sich überraschend gut. Nach etwa 60 km beginnt kurzzeitig die Zivilisation (verbunden mit Vorfahrtsregeln und dergleichen) und wir einigen uns, mir wieder das Steuer zu überlassen. Wir legen eine kurze Pause in Kanab ein, dem letzten „größeren“ Örtchen vor dem Zion NP. Da wir die nächsten drei Nächte dort verbringen wollen, müssen wir unsere Vorräte aufstocken. Anschließend noch einen kurzes Telefonat in die Heimat, damit die Mamas beruhigt weiterschlafen können.

Die Zufahrt zum Zion ist bereits beeindruckend. Die enge Passage zwischen himmelhohen Felswänden erinnert an eine Oase in der Wüste, eingehöhlt in einen Canyon. Bevor wir uns durch einen Tunnel quetschen müssen, der so schmal ist, dass für Wohnmobile der Verkehr nur einseitig fließen kann, laufen uns ein paar Dickhornschafe vor die Kamera.

Der Nationalpark selbst ist nur bis zum Visitor Center für den öffentlichen Verkehr freigegeben. Alle Touristen müssen für weitere Tripps in den Canyon auf den kostenlosen Shuttle-Bus umsteigen. Das Warten dauert nicht lange, da die Busse eine Taktung von weniger als 15 Minuten haben, und um 16 Uhr kaum noch Touristen in Richtung Berge wollen. Wir erwischen ein Gespann, das scheinbar von einem Hundertjährigen gelenkt wird. Gemächlich zuckelt der Bus den Weg entlang des malerischen Flussbetts mit Wiesen, Weiden und grasenden Hirschen hoch bis zur Endstation. An jeder Zwischenhaltestelle gibt der Fahrer ein paar nützliche Infos, zum Beispiel den, am „Weeping Rock“, also weinenden Felsen, ein paar Taschentücher einzupacken. Diesen nutzen wir und fahren gleich mal bis zur Endstation. Da das Wetter ausschließlich morgen hervorragend werden soll (20 °C und Sonne pur), merken wir uns schonmal vor, wo wir morgen überall aussteigen und wandern wollen.

Heute Abend wollen wir nochmal außer Haus essen gehen. Am frühen Abend geht es daher ebenfalls per kostenlosem Shuttle-Bus nach Springdale. Wir erblicken ein mexikanisches Restaurant, das uns auf Anhieb anspricht und genießen authentische Tostados und Enchiladas zusammen mit echten Tortilla Chips und hausgemachten Dips, dazu natürlich ein kühles Corona – nicht ohne Limettenschlitz.

Tag 11 – 16.05. Fußspuren

Nachdem wir gestern noch eine Pizza in unserem Minibackofen gemacht haben, fällt das Frühstück heute kleiner aus und wir beschränken uns auf Cornflakes.

Heute wollen wir zum Cape Royal, einem etwas abgelegeneren Aussichtspunkt im Grand Canyon National Park. Leider ist die Zufahrtsstraße dorthin noch wegen Sanierungsarbeiten gesperrt, also fahren wir weiter zum Point Imperial. Dort angekommen entschließen wir uns, den Imperial Trail zu laufen. Dieser liegt abseits vom üblichen Touristentrubel und wir wandern diesen Trampelpfad praktisch allein. Unterwegs stoßen wir auf eine Reihe von Fußspuren und Haufen. Wir vermuten, es handelt sich neben recht offensichtlichen Hirschspuren um die riesigen Hufabdrücke von Bisons.

Am frühen Nachmittag machen wir uns auf den Rückweg zum Campingplatz. Es ist an der Zeit, unsere Wäsche zu waschen. Während die Waschmaschine läuft, nutzen wir die Zeit zum Duschen. Die besten Duschen auf unserer bisherigen Reise! Sauber, ordentlich, modern, da bezahlt man gerne ein paar Quarters.

Die Zeit bis zum vorabendlichen „Condor Program“ verbringen wir im General Store des Campingplatzes. Neben einem kleinen Kaffeeautomaten und den wichtigsten Lebensmitteln gibt es hier einfach alles zu kaufen, was das Camperherz begehrt. Mit einem extrem süßen Capucchino setzen wir uns an unsere Blogeinträge und laden sie mit erwartungsgemäß schlechtem WLAN hoch.

Dann geht es zum Amphitheater (ein Sitzkreis aus Bänken, den wirklich jeder Campground in einem Nationalpark hat). Dort wartet ein junger motivierter Ranger darauf, uns etwas über die vom Aussterben bedrohten Kondore zu erklären. Durch die Beschreibung der Vögel in der Luft bin ich mir fast sicher, einen auf dem Cathedral Wash Trail an den Vermillion Cliffs gesehen zu haben. Das soll bei nur rund 200 Exemplaren in freier Wildbahn ein echter Glückfall sein.

Nach dem etwa einstündigen Gespräch ist Kevin ordentlich durchgefroren. Wir beschließen, ein Feuerchen zu machen. Während Kevin also draußen versucht, die Holzscheite am Brennen zu halten, kümmere ich mich um die Sättigungsbeilagen. Obwohl es schon den ganzen Tag mehr oder weniger nach Regen aussah, entlädt sich natürlich genau jetzt alles. Kevin trotzt Regen und Sturm, durch die Gegend fegenden Kiefernnadeln und herabfallenden Kiefernzapfen. Ein benachbartes Zelt stürzt in sich zusammen, aber Kevin hält sich wacker. Als er vor Kälte zu schlottern beginnnt und wirklich dicke Tropfen das Feuer zu löschen drohen, haut er zwei dicke Stücke Rind aufs Feuer. Tatsächlich sind das die besten Steaks, die wir bisher gegessen haben. Wir ziehen uns für den Rest des Abends in den im Wind sanft schaukelnden Wohnwagen zurück und schließen die Gardinen.

Tag 10 – 15.05. Endlich: der Grand Canyon

6:00 Uhr und mir ist kalt. Also Zeit zum Aufstehen. Ich habe leider völlig unterschätzt, dass es in dieser Höhe nachts doch wieder ziemlich kalt wird und habe mich daher nicht entsprechend für die Nacht gekleidet. Nachdem wir beide gestern zum ersten Mal die Dusche im WoMo benutzen mussten, können wir uns heute zeitig die restlichen 60 km Richtung Grand Canyon vornehmen. Bis gestern war der Nationalpark noch wegen Winterpause geschlossen, dementsprechend ist heute besonders viel los. Bereits an der Zufahrt zum Nationalpark herrscht Stau. Am Vistor Center angekommen sieht es leider nicht besser aus. Parkplätze? Fehlanzeige. Zum Glück haben wir den Campingsplatz reserviert. Also stellen wir unser Mobil-Haus auf unserem Stellplatz ab und checken erstmal den kleinen Camping Store. Hier soll es WLAN geben und tatsächlich: es funktioniert, wenn auch nur mit Modem-Geschwindigkeit. Ich nutze die Chance und lade noch ein paar Bilder hoch.

Anschließend machen wir uns zu Fuß auf den Weg zum Visitor Center und der Grand Canyon Lodge. Eine kurze Wanderung von etwa 2 km entlang eines kleinen Nebencanyons. Von dort aus geht es weiter den Bright Angel Trail entlang, bis zu einer famosen Aussicht über den Grand Canyon. Julias Gejammer hält sich heute in Grenzen, offensichtlich kommt ihr Hormonaushalt wieder in Ordnung. Wir gönnen uns noch einen wirklich leckeren Hot-Dog, bevor wir uns langsam auf den Rückweg zum Campingplatz machen wollen. Während ich einen kurzen Abstecher zum Gift Shop mache, verschwindet Julia auf dem Klo, als plötzlich der Strom im ganzen Nationalpark ausfällt. Ich bin mir nicht sicher, ob da ein Zusammenhang besteht…

Leider hat unser Wasserheizer nach dem Duschen gestern den Geist aufgegeben. Als Kevin zum Büro geht, um dort mit der Hotline zu telefonieren (Kein Handyempfang hier draußen) bemerken wir, dass der Strom immer noch nicht fließt. Hier geht heute wohl nichts mehr. Zum Glück funktioniert unser Camper mit Batterie und Gas.

Tag 9 – 14.05. Es. Ist. HEISS!

Es lässt sich bereits um zehn Uhr kaum noch im Camper aushalten. Wir packen unsere Siebensachen und düsen zum Cathedral Wash Canyon, ein Geheimtipp, da hier touristisch noch nicht allzu viel los ist. Pünktlich zur Mittagshitze sind wir da. Julias Begeisterung hält sich stark in Grenzen, aber Kevin gibt sein bestes, sie zu überreden. Der Trail führt am Grund des Canyons etwa 2,5 km lang bis zu den Ufern des Colorado. Schatten gibt es nur hier und da mal in ein paar Kurven. Die Schlammspuren sagen uns, dass es hier erst vor kurzem (vermutlich während des Blizzards) ordentlich geregnet hat. Davon jetzt aber keine Spur. An einer besonders schattigen Kurve treffen wir auf andere Wanderer. Uns kommt sogar eine Gruppe mit Kind entgegen. Das alles ändert allerdings nichts daran, dass sich Julia kaum noch für weitere Felsformationen auf dem Weg interessiert und am liebsten wieder umkehren möchte. Schließlich zieht Kevin alleine weiter, kommt aber bereits nach etwa 20 Minuten zurück, weil der Trail dann wohl doch etwas kniffeliger wird und man einen steilen Abschnitt runter- und später wieder raufklettern muss. Wir machen uns gemeinsam auf den Rückweg. Inzwischen sind tatsächlich Regenwolken über den Tafelbergen aufgezogen, doch der Regen reicht nicht bis ins Tal.

Weiter geht die Fahrt Richtung Jacob‘s Lake, rund 50 Kilometer vom Grand Canyon entfernt. Wir fahren aus dem roten Tal raus auf 8000 Fuß Höhe und finden uns binnen weniger Minuten mitten in einem Kiefernwald wieder. Es weht ein deutlich frischeres Lüftchen und das Beste: Auf dem Campingplatz gibt es endlich wieder Strom! Alle Geräte werden schleunigst in die verfügbaren Steckdosen und USB-Anschlüsse gesteckt. Nur WLAN gibt es immer noch keins, das heißt die Blogeinträge und Fotos müssen noch eine Weile in der Pipeline bleiben.

Tag 8 – 13.05. Rot, röter, Antelope Canyon

06:00 Uhr. Schon wieder eine Stunde Zeitverschiebung! Wir liegen hier genau auf der Grenze zwischen zwei Zeitzonen, daher ist nie ganz klar wieviel Uhr gerade ist. Nach dem Frühstück machen wir uns zeitig auf den Weg. Heute will sich Kevin den Glen Canyon Dam aus der Nähe anschauen. Die geführten Touren werden nach dem Prinzip „wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ vergeben. Wir haben Glück und die Tour, die in Kürze startet, hat noch Plätze frei. Wir erhalten eine 45-minütige Führung durch die Staumauer, bis runter in die Turbinenhalle und erfahren alles über seinen Bau und Nutzen. Für 10 $ ist das eine wirklich faire Sache.

Nach der Besichtigung des Glen Canyon Dam wollen wir uns eine Tour zum Antelope Canyon sichern. Wir bekommen eine Tour für 15 Uhr. Die Zeit bis dahin nutzen wir für einen Besuch des Horseshoe Bend, eine besonders malerische Schleife des Colorado Rivers, von der touristisch erschlossenen Felsklippe aus ein spektakulärer Ausblick. Und als hätten sie sich bis dato in Erdlöchern versteckt, stößt man plötzlich auf Heerscharen von Chinesen, die hier wie üblich mit großen Reisebussen angekarrt werden, während alle anderen Touristen mit Wohnmobil oder Auto anreisen. Der Parkplatz des Horse Shoe Bend gleicht einer Pilgerstätte. Alles wandert den etwa einen Kilometer Trampelpfad durch die Wüstensteppe Richtung Canyon rauf und runter. Nach ein paar Minuten im Gedränge erblicken wir außerhalb des umzäunten Bereichs eine Klippe, von der man Fotos schießen kann, ohne fremde Körperteile auf dem Bild zu haben. Wir nutzen unsere Chance und ergattern ein paar davon, bevor wir von der nächsten Gruppe Chinesen verscheucht werden.

Der Weg zurück zum Parkplatz ist ziemlich schlauchend, uns wird schnell klar, warum überall Warnschilder stehen, auf denen „Bring plenty of Water!“ steht. Mittlerweile sind es gefühlte 30 °C und die Sonne brennt vom Himmel. Da wir danach noch rund zwei Stündchen Zeit totschlagen müssen, fahren wir zum nächstgelegenen Starbucks und erfrischen uns mit Frappés. Danach fahren wir mit gemischten Gefühlen Richtung Antelope Canyon. Vermutlich wird das Gedränge dort nicht weniger werden…

Allerdings ist diese Sorge unbegründet. Unser Tourguide Kevin ist wieder einmal ein sympathischer Typ und unsere Gruppe besteht nur aus neun Personen. Tatsächlich gibt uns Tourguide Kevin reichlich Tipps für gute Fotos, weist auf optimale Belichtungen und Filter hin und macht darüber hinaus mit jedem Pärchen ein halbes Dutzend Fotos ohne fremde Touristen im Hintergrund. Damit hat er sich sein Trinkgeld wirklich mehr als verdient.

Als wir um halb fünf wieder zu Tage kommen, sind wir ziemlich durch. Kevin haut sich hinters Steuer und wir düsen durch die Prärie Richtung Lee‘s Ferry. Dort liegt ein kleiner idyllischer Campingplatz direkt am Flussufer des Colorado, auf dem es deutlich ruhiger zugeht, als mitten in Whawhep, dem absoluten Touristikzentrum für den gesamten Südwesten der USA. Wir ergattern einen tollen Platz und schmeißen den Grill an. Den restlichen Abend genießen wir bei inzwischen angenehmen Temperaturen.

Tag 7 – 12.05. Die steile Abfahrt

7:30 Uhr. Nach unserem Kraftakt gestern wollen wir es heute etwas ruhiger angehen lassen. Zum Frühstück gibt es Cornflakes, denn wir haben nur noch begrenzten Treibstoff. Unser heutiges Etappen-Ziel heißt Monument Valley. Nach etwa 20 km erreichen wir eine Biegung mit einem Schild: No Oversized Vehicles in 30 Miles, Steep Switchbacks. Wir kennen das schon aus Kanada und ich rechne mit einer sehr engen Kurve, die ich notfalls rückwärts nehmen muss. Doch als wir den Abhang erreichen, bin ich leicht schockiert. Es geht einige Hundert Meter abwärts, die Straße ist nicht mehr geteert und eine Sicherung in Form einer Leitplanke vermisst man hier ebenfalls. Hilft ja nichts, wir müssen darunter.

Monument Valley enttäuscht uns ein wenig. Na klar die Aussicht ist fantastisch, doch dafür mussten wir auch 20 $ zahlen, um die Straße ins Indianer-Reservat passieren zu dürfen. Um näher an die Gesteinsbrocken heran zu kommen, muss man eine geführte Tour bei den Navajo-Indianern buchen (ab 80 $ pro Person aufwärts). Das sparen wir uns und entscheiden kurzerhand, unser Ziel für morgen anzusteuern.

Julias Laune sinkt merklich (hormonell bedingt). Da hilft nur eins! Kurz am nächsten McDonalds angehalten und einen Mocca-Frappé bestellt und schon gehts wieder aufwärts… In der Kleinstadt Page angekommen, steuern wir den Campingplatz an. Leider sind bereits alle Stellplätze mit Strom- und Wasseranschluss ausgebucht. Aber wir bekommen einen schönen Stellplatz mit Seeblick. Das Wetter ist fantastisch, also Campingstühle raus und ab in die Sonne.

Tag 6 – 11.05. Blauer Himmel!

6 Uhr und die Sonne scheint mir ins Gesicht. Julia lässt sich davon nicht beeindrucken und schläft wie ein Baby. Ich bereite schonmal das Frühstück vor. Heute gibt es Speck und Rührei. Beim Anbraten des Specks löse ich den Rauchmelder aus und der ganze Campingplatz ist wach. Nicht, dass Julia in schöner Regelmäßigkeit darauf hinweist, dass man beim Kochen vielleicht besser das Fenster öffnet und den Abzug anmacht…

Nach dem Frühstück das übliche Prozedere, Duschen, Dumpen und Wassertank auffüllen. Anschließend fahren wir in die nächstgelegene Kleinstadt Cortez, um unsere Vorräte aufzufüllen. Der Walmart enttäuscht uns nicht. Nur der erhoffte Kaffee bei Starbucks, denn der liegt wenig einladend mitten in einem Discount Market. Wir entschließen uns, weiter zu fahren, und unser Glück woanders zu versuchen.

Ziel unserer heutigen Reise ist das Natural Bridges National Monument, wo ein kleiner Vetter vom Colorado-River in einem Canyon den Fels so ausgehöhlt hat, dass nur noch die oberste Steinschicht stehen geblieben ist. Die Sonne scheint vom Himmel und Kevin wäre nicht Kevin, wenn er nicht gleich die Gunst der Stunde nutzt und zu einem 10-km-Marsch bläst. Es geht runter zum Grund des Canyon – nicht über Treppen – es sind hin und wieder Haltestangen in den nackten Fels getrieben worden, ansonsten geht es einfach nur runter. Unten angekommen genießen wir den Anblick der Steinbrücke von unten, treffen mal wieder auf Amerikaner, die schon in Deutschland waren und da nochmal Urlaub machen wollen, und beginnen die Wanderung entlang des kleinen Bachs zur nächsten Steinbrücke. Die ist fünf Kilometer entfernt. Alles gar nicht schlimm, wir werden für die Mühe mit einem grandiosen Bild belohnt.

Wäre da nur nicht der 200 Fuß hohe Aufstieg und dann noch weitere drei Kilometer über Stock und Stein durch die Pampa zurück zum Parkplatz… Völlig erschöpft kommen wir fünf Stunden nach unserem Aufbruch wieder am Wohnwagen an.

Der kleine Campingplatz im Nationalpark ist leider schon voll, also werden wir auf eine Parkfläche an einem Highway verwiesen. Der ist bis auf zwei weitere Fahrzeuge aber leer und eigentlich sehr idyllisch. Da die Sonne immer noch scheint, wirft Kevin zwei 400-g-Steaks auf den Grill. Endlich richtig schön amerikanisch Campen!

Tag 5 – 10.05. Auf den Spuren der Indianer

Kevin weckt mich mit heißer Schokolade. Nachdem wir zum Waschhaus gefahren sind und beide ausgiebig heiß geduscht haben, fahren wir tief in den Nationalpark hinein. Nach etwa einer Stunde Fahrt erreichen wir den Treffpunkt für unsere gestern gebuchte Tour zum „Cliff Palace“. Wir haben außerordentliches Glück, der Ranger, der die Tour führt, ist selber nachfahre der Pueblo-Indianer und hat somit eine „besondere“ Beziehung zu den 800 Jahre alten Überresten einer vergangenen Zivilisation, die sich in den Kalkfelsen der Mesa-Verde-Canyons ihre Behausungen erbaut hat. „Rising Bull“ ist ein äußerst sympathischer Typ und gibt uns einen kleinen Einblick in die Wertvorstellung indianischer Kulturen inklusive Schweigeminute, um den Erbauern dieser beeindruckenden Bauten zu gedenken.

Wir absolvieren noch ein paar „Self Guided Tours“ und machen ein paar Schnappschüsse mit Blick auf die weitläufigen Täler der Canyons. Auf dem Rückweg vom Soda Canyon Lookout hören wir ein seltsames Zirpen. Dann einen kleinen grünen Vogel, der im Sturzflug durch die Vegetation schießt, um dann an ein paar Blüten Nektar zu trinken. Ein Kolibri! Kevin hält natürlich sofort mit der Kamera drauf.

Abgesehen von einer irrsinnigen Anhäufung von Kötteln (Elch?) bleibt das unser tierisches Highlight. Der Besuch im kleinen Museum ist für Kevin nach fünf Minuten abgeschlossen, der Lookout dort wegen Felsrutsch leider gesperrt. Mittlerweile ist es fünf Uhr und unsere Mägen knurren, deswegen treten wir die Rückfahrt zum Campingplatz an. Das Abendessen heute: Bolognese mit Brokkoli und Spirelli. Nach einem Glas Wein kann Julia kaum noch die Augen aufhalten, obwohl wir heute keine allzu anstrengenden Wanderungen gemacht haben.

Tag 4 – 09.05. Schnee, Schnee und noch mehr Schnee

7 Uhr. Der Jetlag ist langsam überwunden. Obwohl wir vom Park Ranger vor leichtem Schneefall in der Nacht gewarnt worden sind, hat uns nichts auf den kleinen Blizzard vorbereitet, der über uns hinwegstürmt. Während wir eingemummelt in unserer Koje liegen (Das vernünftige Bett haben wir wegen Wasserschadens vorübergehend gegen den Alkoven getauscht) sehen wir dabei zu, wie eine Herde Wapitikühe keine zehn Meter von uns entfernt an den Büschen knabbern und später, als sich die Tiere wieder verzogen haben, wie in der Site uns gegenüber die Zelte unter dem Schnee zusammenbrechen. Uns überkommt die leichte Sorge, dass wir über Nacht womöglich eingeschneit werden und für die nächsten ein oder zwei Tage im Great Sand Dunes NP feststecken.

Am nächsten Morgen ist zwar alles mit einer dicken Eiskruste überzogen (Die armen Kerle in den Zelten glücklicherweise nicht), man ist aber bereits schwer bemüht die Straßen im Nationalpark zu räumen. Während wir uns abfahrtbereit machen klopft es an unsere Tür. Ein Ranger mit einem Klemmbrett fragt nach dem Rechten und gibt uns ein paar kurze Infos zur Verkehrslage auf den Straßen. Glücklicherweise wollen wir nach Westen und haben damit freie Fahrt. Ursprünglich wollten wir vor der Weiterfahrt noch die Dünen erklimmen, das haben wir aber wegen des Schnees verworfen.

Heute geht es zum Mesa Verde NP mit Zwischenstopp in der Kleinstadt Durango. Die gesamte Fahrt über schneit und regnet es im Wechsel. Nach gut der Hälfte unserer Fahrt vertreten wir uns ein wenig die Beine und machen einen kleinen 800-m-Spaziergang zu den Treasure Falls. Wie durch ein Wunder klart der Himmel kurz auf und wir können die Wärme der Sonne spüren.

In Durango brauchen wir ein paar Anläufe, bis wir einen Stellplatz für das Wohnmobil gefunden haben. Anschließend sichern wir uns im Welcome Center Tickets für den morgigen Besuch der Indianer-Stätte Mesa Verde. Leider ist die von Kevin gewünschte Tour erst ab Mitte des Monats geöffnet. Nachdem ich im Prospekt die Wegbeschreibung gelesen habe, bin ich froh dafür.

Anschließend besuchen wir das kleine Eisenbahnmuseum, welches trotz oder gerade wegen des kostenlosen Eintritts eher an einen großen Sammler-Flohmarkt erinnert. Kevin lässt es sich auf dem Rückweg zum Wohnmobil nicht nehmen, in einen auf alt getrimmten Saloon einzukehren und ein Bier zu trinken. Leider werden wir vom Barkeeper und nicht von der freizügig bekleideten Dame dort bedient.

Auf dem steilen Weg hoch zum Campingplatz liegen einige mehr oder weniger frische Landabgänge auf der Straße, und Schilder raten davon ab, hier stehen zu bleiben, um Fotos davon zu machen. Oben angekommen erwartet uns – Überraschung – Schnee. Da wir uns in Durango einen wirklich guten Burger reingepfiffen haben, entfällt das Abendessen für heute.

Tag 3 – 08.05. Große Sanddünen

5 Uhr, die Nächte werden länger…
Die erste Nacht im Wohnmobil war noch nicht so gut. In den Bergen sind die Temperaturen nachts noch um den Gefrierpunkt, dementsprechend kalt war es im WoMo. Wir haben zwar eine Heizung, die ist aber ziemlich laut und wenn die anspringt ist man sofort hellwach.

Ich koche mir etwas Wasser für meinen Kaffee und bereite das Frühstück vor, während Julia erschreckend gut gelaunt ist und unseren Blogbeitrag für gestern fertig schreibt.

Nach einem für amerikanische Verhältnisse hervorragenden Frühstück machen wir uns auf den Weg zum skurrilsten Gebäude weit und breit: Bishop Castle. Der Anblick ist „amazing“. Wir klettern ein wenig in dem Gebäude herum, das den Eindruck erweckt, jederzeit einstürzen zu können, denn Begriffe wie Baugenehmigung und Statik sind dem Erbauer scheinbar völlig fremd. Der Eintritt ist kostenlos, aber wir lassen unsere Namen im Gästebuch und eine kleine Spende da. Anschließend fahren wir weiter zum Grand Sand Dunes National Park, wo wir unser Wohnmobil für die Nacht abstellen.

Das Wetter ist furchtbar. Es regnet den ganzen Tag mehr oder weniger wie aus Eimern, ab und zu sind auch Hagel oder Schnee dabei (Wir befinden uns mittlerweile auf 2500 m ü.N.N.). Wir statten dem hiesigen Vistor Center einen kurzen aber obligatorischen Besuch ab und machen uns an das Abendessen für heute: Wildlachs und in Knoblauchbutter gebratener grüner Spargel mit Langkornreis und Dijonsahnesößchen. Dazu einen US-amerikanischen Weißwein aus dem Liquor-Store. Das lässt uns beinahe darüber hinwegsehen, dass der Regen mittlerweile durch jede Ritze gedrungen und unsere Bettstatt merklich feucht geworden ist.