04:30 Uhr und ich kann nicht mehr schlafen. War ja klar, nachdem wir gestern bereits gegen 17 Uhr die Augen zu gemacht haben. Julia ist ein Koala; auch nach fast 12 Stunden Schlaf hat sie scheinbar noch nicht genug.
Gestern habe ich – in meinem Zustand! – bereits mit der WoMo-Vermietstation telefoniert und für 11 Uhr die Übernahme vereinbart, sowie den hoteleigenen kostenlosen Shuttle-Transfer dorthin gebucht. Bis dahin haben wir aber noch ein paar Stunden, die wir mit einem ausgedehnten Frühstück verbringen wollen. Unser Hotel ist etwas außerhalb von Denver, daher kommt eine kurze Sightseeing-Tour nicht in Frage.
Da wir an die freundliche und zuvorkommende Art der Kanadier gewöhnt waren, verläuft die WoMo-Übernahme ein wenig ruppig. Nachdem wir die Frage, ob wir bereits Wohnmobil-Erfahrung hätten bejaht haben, gibt es keinerlei Einweisung, es wird lediglich auf das Handbuch verwiesen. Eine kurze Kontrolle, ob das Wohnmobil ohne Schäden ist, jedem von uns wird ein Sack mit einem „Personal Kit“ in die Hand gedrückt und dann sind wir auch schon auf uns gestellt. Nach einer weiteren Inaugenscheinnahme wird uns klar: Bei diesem Anbieter bekommt Mann, was man bezahlt, nämlich sehr wenig. Keine Taschenlampe, keine Schere, keine Axt, kein Fön, keine Campingsessel, ohne sie zu bezahlen. Während wir darüber nachdenken, wie viele Vorräte wohl in den Kühlschrank passen, trifft es Kevin wie ein Schlag: wir haben nicht mal einen Backofen!
Aber die USA wären nicht das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, wenn wir nicht im Walmart alles finden, was wir brauchen.
Tatsächlich ließ sich der Einkaufswagen ab einer gewissen Füllhöhe kaum noch lenken, sodass wir den Einkaufswagen zweimal füllen müssen. Beim zweiten landet alles im Wägelchen, was es für das Camperleben braucht: Handschuhe für das Dumpen (Kevins Lieblingsbeschäftigung), eine billige Schere, Spülmittel, Duschzeug in 1-L-Gebinden, Holzkohle, einen kleinen Grill, und – man gönnt sich ja sonst in diesem Urlaub wenig Luxus – für 20 $ einen Mini-Backofen. Es stimmt einen nachdenklich, wenn man überlegt, dass so gut wie jeder Tourist diese Dinge kaufen und dann vor dem Rückflug irgendwo zurücklassen muss.
Nachdem wir den gesamten Nachmittag mit Einkaufen verbracht haben, quälen wir uns anschließend stundenlang durch den Feierabendverkehr rund um Denver. Man kann sich die Zahl der Autos kaum vorstellen, die sich täglich zwei Mal auf teilweise zehnspurigen Straßen Stoßstange an Stoßstange vorwärts schieben.
Endlich – Julia döst mal wieder auf dem Beifahrersitz vor sich hin – erreichen wir den Campingplatz im kleinen Cheyenne Mountain State Park. Es ist bereits halb acht und in der Dämmerung liegt eine weite Ebene aus Lichtern unter uns. Leider waren wir zu müde, um zu versuchen, davon ein Foto zu machen. Das Abendessen soll schnell gehen, deswegen gibt es nur Chickenwings ohne Knochen und Kartoffelsalat. Dann ist auch schon Bettchenzeit.
