Tag 23 – 28.05. Die Rocky Mountains

Die Nacht war kurz! Es hat bereits den gesamten Nachmittag ein Gewitter über den Bergspitzen gehangen, das sich die ganze Nacht über entladen hat. Glücklicherweise ist von dem Gewitter am Morgen bis auf ein paar Schneepfützen nichts mehr zu sehen; die Sonne lacht bei klarem blauem Himmel. Heute Morgen gibt es eine Premiere, denn Julia macht doch tatsächlich das erste Mal, seit wir diese Reise angetreten haben, das Frühstück. Es gibt Arme Ritter, die in der Billigpfanne ohne Antihaftbeschichtung allerdings keine gute Figur machen.

Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg zum Shuttle Bus. Man kann zwar auch mit dem eigenen Fahrzeug bis zum Startpunkt für unsere heutige Wanderung fahren, der Visitor-Guide empfiehlt jedoch wegen der geringen Anzahl an Parkplätzen den kostenlosen Shuttle-Bus zu nehmen. Immerhin erhält man so vom Fahrer (wieder ein steinalter Greis) die neuesten Insider-Infos, zum Beispiel eine bemerkenswerte Anzahl an schwarzen Kreisen im Wald. Er nennt sie scherzhaft Indianer-Lagerfeuer. In Wirklichkeit ist jeder der verrußten Flecken Erde ein Blitzeinschlag gewesen, teilweise keinen Meter voneinander entfernt.

Oben am Haltepunkt Bear Lake angekommen, wird uns klar, dass heute so gut wie nichts im Nationalpark los ist. Nach wenigen hundert Metern den Trail hinauf, wird uns klar, warum. Der Aufstieg zum Emerald Lake gestaltet sich anspruchsvoll, denn der Weg ist noch immer von teilweise meterhohen Schneewehen bedeckt. Der Weg ist als solcher kaum noch zu erkennen und man folgt einfach der Schneise an plattgetrampeltem Schnee, der insbesondere an steilen Passagen spiegelglatt ist.

Wir kommen am Nymph Lake vorbei, der noch tief verschneit ruht und außer ein paar Schneemännern am Ufer nicht viel zu bieten hat. Kurz vor erreichen des Dream Lakes, wie soll es auch anders sein, muss Julia dringend aufs Klo. Unten am Parkplatz gab es ein Klo, doch der Weg zurück über den ziemlich glatten Weg dauert mindestens eine Stunde. Julia muss aber jetzt. Also heißt es, die Notdurft hinter einem Baum im Schnee zu verrichten…

Als zweites Ziel für heute wandern wir noch zu den leicht zu erreichenden Alberta Falls. Leicht, wenn kein Schnee liegen würde. Wir sind erstaunt wie viele sich bei dieser Rutschpartie mit Turnschuhen rauf und wieder runter quälen. Überraschend viele Besucher sind vorbereitet und tragen Spikes, wir dagegen sind von den Schneemassen etwas überrascht, aber mit den Wanderschuhen gelingt uns der Auf- und Abstieg ohne Knochenbrüche und Verrenkungen.

Als letztes Ziel für heute wollen wir noch dem Visitor Center einen Besuch abstatten. Das haben wir gestern nicht mehr geschafft, daher holen wir das heute nach. Außerdem ist das der einzige Ort mit Mobilfunk und damit auch mit Internet-Empfang. Verpasst haben wir allerdings nicht, denn bis auf einen kleinen Souvenir-Shop und eine Theke, bei der man sich bei den Rangern über dies und das informieren kann, gibt es hier nichts zu sehen.

Gegen halb sechs sind wir wieder auf unserem Stellplatz. Wir vertreiben uns die Zeit, bis das Spülwasser heiß ist mit Skip-Bo, als wir eine Herde Wapitits direkt vor unserem Fenster auftauchen sehen, die hier oben ein wenig am saftig-grünen Gras knabbern. Und das, nachdem wir heute bereits mehr Wildlife als an jedem anderen Tag gesehen haben, inklusive frisch geborenem Wapitikalb, das auf Mama wartet.

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