Day 1 – Zwischen Business Class und Verspätungsstress

Beim Schreiben dieser Zeilen kämpfe ich gegen die Müdigkeit an – also seht es mir nach, falls sich der ein oder andere Rechtschreibfehler eingeschlichen hat. 😅

Der Wecker war auf 4:30 Uhr gestellt, aber wie so oft war ich schon vorher wach. Julia schlummerte noch tief, also hab ich erst mal Kaffee gemacht und einen Moment tief durchgeatmet. Dann wurde auch sie geweckt – und wir haben die letzten Kleinigkeiten zusammengepackt: Zahnbürsten, Ladekabel, alles, was man eben bis zur letzten Minute braucht.

Zum Glück hatte sich ein guter Freund angeboten, uns zum Flughafen zu fahren.
Bevor es pünktlich um 6 Uhr losging, kam dann aber doch noch Hektik auf: Julias Koffer war zu schwer – also nochmal schnell umgepackt, Gewicht verteilt, neu gewogen, passt!

Am Flughafen Düsseldorf lief dann alles erstaunlich reibungslos: Einchecken, Sicherheitskontrolle – alles schneller als erwartet. Inzwischen sind wir da ja auch ganz gut eingespielt.

Doch natürlich hat an diesem Morgen nur ein einziger Flug Verspätung – und wer hätte es gedacht, es ist unserer!
Zunächst waren es nur 30 Minuten – nichts Dramatisches, denn wir hatten ausreichend Umsteigezeit in Frankfurt.
Aber dann kam noch ein technisches Problem dazu – der Flieger wollte einfach nicht starten. Glücklicherweise war der Lufthansa-Techniker schnell zur Stelle, führte einen „System-Reset“ durch, und nach gut zwei Stunden Verspätung hoben wir endlich ab.

Wir hatten beim Buchen kurz überlegt, direkt von Frankfurt zu starten und mit der Bahn dorthin zu fahren. Aber ehrlich gesagt: Meine Erfahrungen mit der Deutschen Bahn sind… ausbaufähig. Das Risiko, den internationalen Flug zu verpassen, war mir zu groß.
Dass dieses Risiko jetzt ausgerechnet durch einen Lufthansa-Zubringerflug entstehen würde – ironisch, oder?

In Frankfurt angekommen hatten wir also entsprechend Stress. Im Stechschritt ging es Richtung Gate.
Als wir endlich das Gate in Sichtweite hatten – und sogar noch gut 45 Minuten bis zum Boarding übrig waren – sank der Stresspegel merklich.
Zeit für einen kleinen Kaffee-Stopp in der Lufthansa Business Lounge.

Was Julia zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste:
Wir fliegen heute Business Class. 😎


Welcome to Business Class

Der Flug nach Denver war dann genau das, was wir nach dem hektischen Morgen gebraucht haben: angenehm, entspannt, komplett stressfrei.
Unser Steward Mike hat wirklich alles gegeben, um uns den Flug so angenehm wie möglich zu gestalten. Noch vor dem Start gab’s Sekt und Nüsse, das Essen bestand aus einem 3-Gänge-Menü auf Porzellan – mit Wein, Bier und einer schönen Auswahl an Spirituosen.

Aber das Beste: der Sitz!
Ein echtes Highlight – lässt sich in ein 2 Meter langes Bett ausfahren, das Polster kann man in 5 Härtegraden regulieren 😍
Das Bedienelement für die Sitzverstellung ist fast so komplex wie eine japanische Toilette – aber eben auch genauso komfortabel.


Ankunft in Denver – und wieder ein Mike

Dank der in Deutschland vorausgefüllten CBP-App konnten wir in Denver direkt die Fast Lane nutzen – noch nie war die Einreise in die USA so entspannt.
Der Zollbeamte wollte nur Julias Fingerabdrücke. Der weiß halt, wer von uns verdächtig ist 😄

Nachdem wir unser Gepäck geschnappt hatten, riefen wir ein Uber. Unser Fahrer hieß – wie der Steward im Flieger – ebenfalls Mike.
Er hat uns die komplette 30-minütige Fahrt mit Fragen durchlöchert, aber das war ganz unterhaltsam – die Zeit verging fast wie im Flug.


Fazit des Tages:
Stress, Luxus, Technik-Pannen, Überraschungen – aber wir sind da!
Jetzt erstmal schlafen – morgen holen wir das Wohnmobil ab! 🚐💤

Day 0 – Die (Un-)Ruhe vor dem Flug

Die Koffer sind gepackt, die Reisepässe sicher verstaut, das ESTA ist genehmigt – es kann losgehen!
Morgen früh startet endlich unser neues Abenteuer. Und es wird ein langer Tag.

Unser Reiseplan im Schnelldurchlauf:

  • 09:10 Uhr: Abflug ab Düsseldorf (LH075) nach Frankfurt
  • 13:30 Uhr: Nonstop weiter mit Lufthansa nach Denver, Colorado
  • 15:35 Uhr Ortszeit: Ankunft in Denver – dank der Zeitverschiebung fühlt sich das fast magisch an. In Wahrheit ist es für uns dann aber 23:35 Uhr – also quasi mitten in der Nacht mit Jetlag im Gepäck.

Nach der Ankunft heißt es: Uber schnappen und ab ins Hotel. Unser Ziel: das Comfort Suites Longmont, etwa 30 Minuten vom Flughafen entfernt. Ein klassisches amerikanisches Motel – mit King-Size-Bett und Frühstück inklusive (wobei wir beim Frühstück auf alles zwischen „okay“ und „Toast mit Plastik-Käse“ eingestellt sind 😄).

Warum nicht direkt ins Wohnmobil? Ganz einfach: In den USA darf man das RV (Recreational Vehicle) erst ab der zweiten Nacht übernehmen. Und mal ehrlich – nach rund 20 Stunden auf den Beinen wollen wir am ersten Abend nur noch eins: Dusche, Bett, Schlaf.

Morgen heißt es also: Goodbye Alltag, hello Abenteuer!
Stay tuned – der Roadtrip beginnt!

Zum Abschluss noch ein Rätsel, wem gehört welcher Koffer 😀

Reiseplanung Yellowstone 2025

Es geht bald los ….

Unsere letzte große Fernreise liegt nun schon einige Jahre zurück – 2019, um genau zu sein. Und dann kam Corona… Die Welt stand still, Pläne wurden verschoben, Träume vertagt. Doch jetzt ist es endlich wieder so weit: Wir wagen es erneut!

Als leidenschaftliche USA-Reisende zieht es uns auch diesmal wieder über den Atlantik. Das Ziel? Ein echter Klassiker der amerikanischen Nationalparks: Yellowstone! Schon lange stand er auf unserer Liste – jetzt wird der Traum endlich wahr.

Wie auch bei unserer letzten Reise haben wir uns wieder für die schönste Form des Reisens entschieden: mit dem Wohnmobil. Freiheit, Natur und Flexibilität – für uns die perfekte Art, die Weite und Schönheit der USA zu erleben.

Die grobe Route steht, Flüge sind gebucht, das Wohnmobil reserviert – am 2. September geht’s los!
Wohin genau uns der Weg führt, welche Highlights wir entdecken und welche Überraschungen auf uns warten – all das erfahrt ihr hier.

Stay tuned – wir nehmen euch mit auf unser Abenteuer!

Tag 23 – 28.05. Die Rocky Mountains

Die Nacht war kurz! Es hat bereits den gesamten Nachmittag ein Gewitter über den Bergspitzen gehangen, das sich die ganze Nacht über entladen hat. Glücklicherweise ist von dem Gewitter am Morgen bis auf ein paar Schneepfützen nichts mehr zu sehen; die Sonne lacht bei klarem blauem Himmel. Heute Morgen gibt es eine Premiere, denn Julia macht doch tatsächlich das erste Mal, seit wir diese Reise angetreten haben, das Frühstück. Es gibt Arme Ritter, die in der Billigpfanne ohne Antihaftbeschichtung allerdings keine gute Figur machen.

Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg zum Shuttle Bus. Man kann zwar auch mit dem eigenen Fahrzeug bis zum Startpunkt für unsere heutige Wanderung fahren, der Visitor-Guide empfiehlt jedoch wegen der geringen Anzahl an Parkplätzen den kostenlosen Shuttle-Bus zu nehmen. Immerhin erhält man so vom Fahrer (wieder ein steinalter Greis) die neuesten Insider-Infos, zum Beispiel eine bemerkenswerte Anzahl an schwarzen Kreisen im Wald. Er nennt sie scherzhaft Indianer-Lagerfeuer. In Wirklichkeit ist jeder der verrußten Flecken Erde ein Blitzeinschlag gewesen, teilweise keinen Meter voneinander entfernt.

Oben am Haltepunkt Bear Lake angekommen, wird uns klar, dass heute so gut wie nichts im Nationalpark los ist. Nach wenigen hundert Metern den Trail hinauf, wird uns klar, warum. Der Aufstieg zum Emerald Lake gestaltet sich anspruchsvoll, denn der Weg ist noch immer von teilweise meterhohen Schneewehen bedeckt. Der Weg ist als solcher kaum noch zu erkennen und man folgt einfach der Schneise an plattgetrampeltem Schnee, der insbesondere an steilen Passagen spiegelglatt ist.

Wir kommen am Nymph Lake vorbei, der noch tief verschneit ruht und außer ein paar Schneemännern am Ufer nicht viel zu bieten hat. Kurz vor erreichen des Dream Lakes, wie soll es auch anders sein, muss Julia dringend aufs Klo. Unten am Parkplatz gab es ein Klo, doch der Weg zurück über den ziemlich glatten Weg dauert mindestens eine Stunde. Julia muss aber jetzt. Also heißt es, die Notdurft hinter einem Baum im Schnee zu verrichten…

Als zweites Ziel für heute wandern wir noch zu den leicht zu erreichenden Alberta Falls. Leicht, wenn kein Schnee liegen würde. Wir sind erstaunt wie viele sich bei dieser Rutschpartie mit Turnschuhen rauf und wieder runter quälen. Überraschend viele Besucher sind vorbereitet und tragen Spikes, wir dagegen sind von den Schneemassen etwas überrascht, aber mit den Wanderschuhen gelingt uns der Auf- und Abstieg ohne Knochenbrüche und Verrenkungen.

Als letztes Ziel für heute wollen wir noch dem Visitor Center einen Besuch abstatten. Das haben wir gestern nicht mehr geschafft, daher holen wir das heute nach. Außerdem ist das der einzige Ort mit Mobilfunk und damit auch mit Internet-Empfang. Verpasst haben wir allerdings nicht, denn bis auf einen kleinen Souvenir-Shop und eine Theke, bei der man sich bei den Rangern über dies und das informieren kann, gibt es hier nichts zu sehen.

Gegen halb sechs sind wir wieder auf unserem Stellplatz. Wir vertreiben uns die Zeit, bis das Spülwasser heiß ist mit Skip-Bo, als wir eine Herde Wapitits direkt vor unserem Fenster auftauchen sehen, die hier oben ein wenig am saftig-grünen Gras knabbern. Und das, nachdem wir heute bereits mehr Wildlife als an jedem anderen Tag gesehen haben, inklusive frisch geborenem Wapitikalb, das auf Mama wartet.

Tag 22 – 27.05. Aufbruch in die Berge

Heute geht es über mehrere Bergpässe (teilweise bis über 12.000 Fuß) in Richtung Rocky Mountains NP. Die Straßen sind eine Zumutung, vor allem dort, wo LKW im Winter üblicherweise Schneeketten anlegen. Zu unserem Pech hat sich der Starkregen von vor ein paar Tagen in den Hochlagen als Schnee auf die Straßen gelegt und die Eröffnung der Ridge Trail Road wurde wegen Unpassierbarkeit bis auf weiteres verschoben. Das heißt für uns: weitere 100 km Umweg.

Nach mehreren Stunden Fahrt durch dichten Nadelwald und an Klippen vorbei, die jetzt nicht mehr schillernd rot, gelb, orange oder rosa sind, sondern einfach nur grau, erreichen wir die Pforten des Nationalparks. Keine hundert Meter hinter der Schwelle erwartet uns eine Herde von gut und gerne hundert Wapitis, die auf einer großen Freifläche friedlich grasen, während sich manche NP-Besucher gar nicht mehr einkriegen und mitten auf der Straße stehen bleiben, um dieses Ereignis zu filmen.

Die Schlange vor dem Kassenhäuschen zum Campground ist lang und es geht nur schleppend vorwärts. Eine Rangerin klärt uns zum dutzendsten Mal darüber auf, dass das hier Bärenland ist und auch schon Bären auf dem Campingplatz zwischen den Zelten gesehen wurden. Wir sollen die üblichen Verhaltensweisen verinnerlichen; nichts, das einen Geruch hat, dort liegen lassen, wo es ein Bär in die Pfoten kriegen kann.

Von unserem Stellplatz aus kann man durch die Bäume in der Ferne die Wapitis grasen sehen. Wir genehmigen uns ein Mittagessen und fahren dann zum Discovery Center. Da es schon später Nachmittag ist, lohnt sich keine Wanderung mehr, aber wir decken uns mit Kartenmaterial ein uns planen die (Anfänger-)Wanderungen für morgen. Dann gehen wir uns im Obergeschoss die wie immer aufwändig installierten Infoboxen mit Exponaten und interaktiven Kinderlernstationen ansehen. Kevin ist beim Ausprobieren der verschiedenen Hebel und Klappen ganz in seinem Element. Ansonsten ist auch heute kein ereignisreicher Tag, aber das könnte sich ja morgen wieder ändern. 😉

Tag 21 – 26.05. Shoppen

7:00 Uhr. Wir werden etwas unsanft geweckt. Draußen grölt eine Kinderbande lauthals herum und hat unsere Site als Spielplatz auserkoren. Beim Gang zum Klohäuschen wird man das Gefühl nicht los, ein ganzer Kindergarten hätte Ausflugstag, zumindest vom Geräuschpegel her. Dieses Wochenende ist in den USA Memorial Day, dementsprechend voll ist der Campingplatz. So idyllisch wie es gestern war wird es wohl nicht mehr werden, deshalb machen wir uns nach dem kurzen Frühstück im Freien zügig auf den Weg.

Unser Campingplatz

Heute liegen gut 300 km Fahrt vor uns. Da wir alle Nationalparks in Utah abgegrast haben, ist unser nächstes Ziel der Rocky Mountain NP in Colorado. Der ist aber gut und gerne 500 km weit weg und dazwischen erstreckt sich öde Wildnis. Deswegen legen wir etwa auf der Hälfte der Tour einen Tag in Silverthorne ein und gehen im Outlet shoppen. Da wie gesagt Feiertag ist, bekommen wir quasi alles zum halben Preis. Dann lohnt sich auch mal ein Besuch bei Ralph Lauren oder Tommy Hilfiger.

Nach einer Erfrischung bei – na, wo wohl? – Starbucks geht es mit vollen Einkaufstüten weiter zu einem ruhigen Campingplatz an den Ufern eines Stausees, der aktuell aber wenig Wasser führt. Es werden ein paar Reste und Suppe verspeist, und dann geht es ab ins Bett.

Mehr ist heute leider nicht passiert.

Tag 20 – 25.05. Chillen

Nachdem wir gestern bereits unser heutiges Ziel erreicht haben, können wir es ganz gemütlich angehen lassen. Das Colorado National Monument liegt nur einen Steinwurf von unserem Campingplatz entfernt. Viel geplant für heute haben wir nicht, wir wollen die Sonne genießen und verbringen den Großteil des Tages auf dem bereits vorab reservierten Campingplatz innerhalb des National Monuments. Hier ist es wirklich sehr ruhig und die Aussicht ist wieder einmal wunderschön. Eigentlich müssen wir so langsam unsere Vorräte aufbrauchen, aber der Tag, das Wetter und auch der Campingplatz laden förmlich dazu ein, nochmal den Grill anzuschmeißen. Also wird kurzerhand nochmal zum Supermarkt gefahren und ein ordentliches Stück Rind gekauft. Und für Julia Hähnchenschenkel, die hier zum Schleuderpreis verkauft werden. Sechs dicke Schenkel für umgerechnet etwa 2 €, da schlägt mein Steak mit über 15 € deutlich heftiger zu Buche.

Heute ist nicht soviel passiert, daher mal ein paar Bilder unserer Behausung.

Tag 19 – 24.05. Sonnenbrand!

06:00 Uhr, der Wecker klingelt. Heute wollen wir bereits früh zurück in den Arches NP, um einen der wenigen Parkplätze für WoMos am Delicate Arch Trail zu ergattern. Das Frühstück werden wir dann auf dem Parkplatz nachholen, aber ganz ohne Kaffee geht es natürlich nicht. Solange kann Julia dann noch schlafen.

Gegen halb Acht erreichen wir den Parkplatz im Nationalpark, auf dem bereits reges Treiben herrscht. Bevor wir mit dem Frühstück abgeschlossen haben gibt es drüben bei den PKW-Parkplätzen keine freie Lücke mehr.

Dann machen wir uns an den Aufstieg zum Delicate Arch. Das Wetter ist klasse, nur der Wind ist noch etwas frisch. Immerhin ist der Marsch durch die versteinerten Sanddünen so ziemlich angenehm. In einem endlosen Strom aus Menschen ackern wir uns Hang für Hang nach oben. Endlich kommt der überaus imposante Felsbogen in Sicht, der vollkommen für sich allein auf einem Felsrücken thront. Hier oben zieht es wie Hechtsuppe, sodass die meisten Touristen nur kurz bleiben. Kevin klettert ein wenig um den Bogen herum, um ihn von seiner Schokoladenseite abzulichten. Wir könnten uns jetzt auch in die Schlange derer einreihen, die ein Foto alleine im Felsbogen haben möchten, lassen das aber lieber sein. Ein bisschen den Hang runter finden wir eine gemütliche Ecke, die vor Wind geschützt ist und naschen ein Äpfelchen, dann geht es steil bergab zurück zum Camper.

Gegen Mittag sind wir wieder am Wohnmobil und es geht weiter in den Devils Garden, ein weiteres „Muss“, wenn man den Reiseführer fragt. Auch hier spazieren wir einen kurzen Trail zum Landscape Arch. Julia hat sich natürlich nicht eingecremt, weil man sich keinen Sonnenbrand holen kann, wenn es frisch ist und bekommt auch prompt den ersten Sonnenbrand des Urlaubs.

Am frühen Nachmittag haben wir dann alle Sehenswürdigkeiten im Nationalpark abgegrast und fahren zurück nach Moab. Hier füllen wir noch kurz unseren Propan-Tank auf und genehmigen uns einen eisgekühlten Frappé.

Anschließend wollen wir unser Nachtlager aufsuchen. Da wir leider nichts reserviert haben und das Memorial-Day-Wochenende bei super Wetter ansteht, sind die idyllischen Campingplätze entlang des Colorado-Ufers allesamt voll. Wir fahren also weiter ostwärts in Richtung unseres nächsten Ziels. Kurz vor dem Colorado National Monument erreichen wir einen privaten RV-Park, der uns fünf Minuten nach Feierabend trotzdem noch gerne aufnimmt.

Tag 18 – 23.05. Auch auf der Himmelsinsel regnet es

Der morgen beginnt mal wieder mit heftigen Regenschauern. Man soll ja echt nicht meinen, dass wir eigentlich in der Wüste sind. Der Wetterbericht stimmt aber zuversichtlich: ab Mittag soll es trocken bleiben. Heute lasse ich Julia mal etwas länger Schlafen, während ich das WLAN des Campingplatzes ausgiebig beanspruche. Bis 11 Uhr müssen wir den Platz räumen und pünktlich um 11 Uhr fahren wir ab. Heute besuchen wir den Canyonlands NP, bevor es morgen nochmals bei guten Wetteraussichten zum Arches NP geht.

Im Nationalpark angekommen wie üblich ein Besuch des Visitor Centers. Der gewohnte Besuch des stillen Örtchens muss leider ausfallen, denn anstelle von Wasserklosetts, gibt es lediglich eine Reihe von Latrinen, die bereits bei geschlossener Tür bis zum Himmel stinken und so überhaupt nicht zum Verweilen einladen.

Ein kurzes Update des Wetterberichts sagt voraus, dass um drei Uhr der bleigraue Wolkenschleier über uns abziehen soll. Bis dahin fahren wir quer durch den Nationalpark bis zum Grand View Point. Wie die Parkzeitung uns schon vorgewarnt hat, ist dieser Nationalpark noch sehr ursprünglich und kommt vollkommen ohne gepflasterte Wege und Hinweisschilder aus. Steinhaufen sind die einzigen Wegweiser zur Abbruchkante, die einen beeindruckenden Blick in die Canyonlandschaft freigibt. Wer nicht aufpasst, fällt runter.

Da sich über dem Horizont ein übles Gewitter zusammenbraut, treten wir rechtzeitig den Rückzug an. Bereits auf der Hinfahrt hat nur 500 m von uns entfernt ein Blitz während eines Graupelschauers in die Felswand eingeschlagen. Gerade sitzen wir im Wohnwagen, da fängt es an zu stürmen. Wir suchen die nächste Parkmöglichkeit auf und fahren in eine Picnic Area. Dort stehen wir allerdings mit dem Heck in den Sturm und es schüttelt den Wagen ordentlich durch. Da wir ein wenig Sorge haben, dass uns der waagerecht hereinschlagende Graupel die Aufbauten vom Dach fegt, parken wir kurz um. Dann machen wir uns einen Moccha und essen Kekse, während draußen die Welt untergeht.

Eine halbe Stunde später geht die Welt immer noch unter. Wir entschließen uns, zu unserem nächsten Ziel zu fahren: der Upheavel Dome. Den Weg dorthin legen wir trocken aber ziemlich vom Wind zerrupft zurück. Der Anblick der zusammengestürzten Caldera eines ehemaligen Salzstocks ist nach allem was wir bisher gesehen haben wenig spektakulär, deshalb treten wir bald wieder den Rückmarsch zum Camper an.

Der letzte Punkt auf unserer Easy-to-Access-Tournee ist der Mesa Arch. Der ist zwar vor allem während des Sonnenaufgangs ein beliebtes Fotomotiv, dafür aber nach dem Regen nicht ganz so überlaufen. Zwischen den Wolkenlücken erhaschen wir einen kurzen Blick auf die Sonne und machen ein paar Fotos. Die meisten Besucher bemühen sich sogar darum, nicht im Bild zu stehen.

Gegen vier Uhr fahren wir zu einem BLM-Campground mit sage und schreibe sieben Sites, von denen zwei noch nicht belegt sind. Die Zufahrt ist ein Wagnis für unser Wohnmobil, da die holprige Strecke durch die Regengüsse der letzten Tage nicht unbedingt besser geworden ist. Schließlich kommen wir einigermaßen gerade zum Stehen und machen uns ans Abendessen. Auf Kevins Wunsch hin gibt es ein dickes Stück Rind in der Pfanne. Unser letztes Feuerholz ist aufgebraucht, also bleibt uns nichts anderes übrig. Während Kevin den Camper ordentlich einräuchert, kümmere ich mich um Speckböhnchen als Beilage. Irgendwann lässt es sich im Wageninneren kaum noch aushalten und wir öffnen alle Fenster und Türen. Da es irgendwann doch ziemlich angebrannt riecht, kommt bereits ein Mitcamper einen ziemlich kritischen Blick in unsere Richtung werfen. Bald ist aber auch der vier Zentimeter dicke Lappen Fleisch Medium gebraten und wir können essen. Als Nachtisch gibts Eis und Netflix.

Tag 17 – 22.05. Bögen aus Stein, Bögen aus Licht

Die Nacht in freier Natur war gut und der Ausblick beim Frühstück fantastisch. Leider ziehen immer mehr Regenwolken auf, daher machen wir uns gleich weiter auf den Weg in Richtung Arches National Park. Eigentlich wollten wir im Capitol Reef noch eine kleine Wanderung zu einem Felsbogen machen, aber das Wetter ist mies und Bögen werden wir heute wohl noch genug zu sehen bekommen. Bis zum Arches NP sind es gut und gerne 220 km durch eintönige Prärie. Da hilft nur unsere Spotify-Playlist und lautes mitsingen und -trommeln, um uns beide wach zu halten.

Bereits vom Highway aus erblicken wir eine zweispurige Blechlawine vor den Kassenhäuschen; offenbar erfreut sich der Nationalpark auch bei Schauerwetter und 15 °C größter Beliebtheit. Es geht glücklicherweise zügig voran, sodass wir kurz nach Mittag den obligatorischen Besuch im Visitor Center antreten können. Ein Blick auf den Wetterbericht lässt Hoffnung aufkeimen: Samstag und Sonntag sind 25 °C gemeldet, die nächsten Tage bleiben aber durchwachsen und kühl.

Da wir wenig Freude daran haben, bei einer Drei-Stunden-Wanderung in einen Schauer zu geraten, wollen wir uns erstmal die Highlights vornehmen, die quasi vom Parkplatz aus erreichbar sind. Auf der Fahrt durch den Park merken wir wieder einmal, dass der (teure) Besuch des Monument Valley vollkommen unnötig gewesen ist. Überall sind rote Felsendome in verschiedenen Stadien des Zerfalls zu sehen. Unser erstes Ziel ist der „Balanced Rock“, ein großen Stein auf einer ziemlich schmalen steinernen Säule, der den Eindruck erweckt, als könnte er jeden Moment von da oben runterfallen und ein Dutzend Touristen erschlagen. Verdient hätten es so manche, denn kaum jemand von den Tagestouristen in Turnschuhen hält sich an die Anweisung, sich bitte nur auf den angelegten Pfaden zu bewegen, um die spärlich wachsende Flora in dieser Wüste nicht platt zu trampeln.

Danach sind die ebenfalls sehr einfach erreichbaren „Windows“ dran, eine Reihe von steinernen Bögen, durch die man wie durch Fenster in die Landschaft blicken kann. Leider ist der Andrang hier so groß, dass es mit dem WoMo unmöglich ist, einen Stellplatz zu bekommen. Weitere Möglichkeiten bieten sich uns so nicht, also fahren wir fürs Erste raus aus dem vollen Nationalpark und in die nächste Stadt, Moab. Hier gibt es einen City Market, um unsere Vorräte aufzufüllen und einen köstlichen Frappuccino bei Starbucks zu trinken. Wir ergattern sogar noch einen Stellplatz in einem der vielen privat geführten Campingplätze, denn der Platz im NP ist winzig und gefühlt ein Jahr im Voraus ausgebucht.

Nach einem kleinen Mittagsimbiss und ein wenig Internet-Gesurfe (endlich vernünftiges WLAN!) geht es am späten Nachmittag zurück in den Nationalpark. Wir wollen unser Glück noch einmal bei den Windows versuchen, in der Hoffnung, die meisten Tagestouristen sind dann schon abgeschwirrt. Laut Wetterbericht soll auch die Sonne nochmal kurz raus kommen. Und tatsächlich, als wir unser nun spärlich besuchtes Ziel erreichen, zeigt sich die Sonne zwischen ein paar dicken Wolken in Bestform, es gibt sogar einen Regenbogen. Wir machen eine kleine Wanderung um die Felsenformation herum und reichlich wunderschöne Bilder. Danach sind wir beide doch ziemlich platt, obwohl die Wanderung gar nicht so anstrengend war. Aber wofür hat man schon einen Camper mit allen Vorräten dabei, wenn man nicht auch mal an Ort und Stelle kocht?