Tag 16 – 21.05. Die Schlucht

Heute lassen wir es ganz gemütlich angehen, auch wenn Julia das nicht so sieht. Zum Frühstück gibt es Graubrot und auf Prinzessin Julias Geheiß hin auch noch Brötchen und Eier. Vor uns liegen 70 Meilen zum Capitol Reef NP. Die Strecke führt wieder einmal über einen Gebirgsrücken, das heißt natürlich wieder mal Schnee. Die Fahrt zieht sich etwas, da die Fahrbahn kurvenreich bergab und bergauf führt und für einen Großteil der Strecke ein Tempolimit von 40 mph herrscht.

Gegen Mittag erreichen wir das Visitor Center, dem wir selbstverständlich einen Besuch abstatten. Nach ein wenig Rechereche entschließen wir uns den Captiol Gorge Trail zu wandern, der nicht allzu lange dauert und relativ flach verläuft. Die ersten 10 Meilen dorthin fahren wir gemütlich auf der Scenic Road, vorbei an den hoch aufragenden Felsformationen, die sich über 100 Meilen wie ein Riff durch die Landschaft ziehen. Am Ende der Scenic Road wartet eine nicht geteerte Straße, aber die nette Dame im Visitor Center hat uns versichert, dass unser Wohnmobil das packt. Fast drei Meilen lang geht es auf einem engen Sträßchen über Stock und Stein und durch Schlammpfützen und Canyonwände hindurch bis zu einem Parkplatz.

Eigentlich ist die Zufahrt hierhin schon beeindruckend genug, aber Kevin will zu Fuß weiter durch den Canyon. Das Wetter ist leider nicht das beste, aber bis zum Ende des Wanderwegs an ein paar großen natürlich entstandenen Felsenpools bleibt es trocken. Auf dem Rückweg, als wir die steile Passage über Findlinge hinunter krakseln, beginnt es zu regnen.

Einigermaßen trocken zurück im Camper sinkt die Lust, im Regen weitere Trails zu laufen. Julia ist nicht mehr sonderlich motiviert und braucht etwas zu essen. Also beschließen wir uns, ein Plätzchen für die Nacht zu suchen. Der hiesige Campground hat leider keine Plätze mehr frei, also wird diese Nacht in freier Natur gecampt.

Tag 15 – 20.05. Wildlife im Land der schlafenden Regenbögen

Die Nacht war mehr als unruhig. Es hat geregnet, geblitzt, gedonnert und zeitweise heftig gehagelt. Und die Hagelkörner waren nicht gerade klein. Kurzzeitig hatten wir Angst, dass sie uns ein Loch in die dünne Pappdecke schlagen.

Am nächsten Morgen steht unser Camper in einer riesigen Pfütze. Aus dem Blätterdach über uns tropft es stetig und wirklich nervtötend laut aufs Dach. Gut, dass wir heute sowieso früh los wollen. Ein paar Cornflakes, Kaffee (für Julia warme Milch mit Honig) und schon geht’s los. Die Bergspitzen um uns herum sind mit Schnee angezuckert. Um so höher wir kommen, desto mehr Schnee ist vergangene Nacht liegen geblieben. Uns wird mulmig, als uns immer mehr Autos mit mehr als zehn Zentimetern Schnee auf dem Dach entgegen kommen. Die Straßen sind aber glücklicherweise noch frei.

Auf dem Weg zum Bryce Canyon entdecken wir ein Schild mit „Forschers German Bakery“. Wir legen natürlich sofort einen Stopp ein. In der Bäckerei gibt es tatsächlich ein paar heimische Köstlichkeiten. Zwar vermissen wir Brötchen (die sind wahrscheinlich schon aus), doch es gibt richtiges Graubrot. Außerdem gönnen wir uns eine Nussecke und einen Streuseltaler. Himmlisch!

Bryce Canyon liegt unter tiefem Schnee begraben. Nichtsdestotrotz machen wir uns gleich auf den Weg zum Campground, um dort noch ein schönes Plätzchen zu ergattern. Das gestaltet sich jedoch als schwierig, da hier bedeutend mehr Schnee liegt, als noch im Zion NP. Zudem hat es noch niemand für nötig gehalten, den Schotterpfad zu räumen. Kevin quält sich und den Camper durch 20 cm Tiefschnee. Es gibt zwar noch reichlich freie Plätze, doch die sind entweder nicht zu erkennen oder durch Schneeberge unzugänglich. Nach ein wenig Suchen gibt uns Jemand ein Zeichen, dass sein zumindest teilweise schneefreier Stellplatz gerade frei wird. Kevin bugsiert das WoMo mit ein wenig Hin- und Hergerutschte auf den Stellplatz.

Dann kurze Lagebesprechung, denn für solches Wetter sind wir nicht gerüstet. Wir geben der ganzen Sache noch eine Chance und stapfen rüber ins Visitor Center. Der Wetterbericht kündigt für den Rest der Woche mal mehr oder weniger Schnee an. Wir nehmen das kostenlose National Park Shuttle und halten an den wichtigsten View Points, die Aussicht ist aber leider stark vernebelt. Immerhin erhaschen wir einen kurzer Blick auf die für den NP charakteristischen Felssäulen, Hoodoos genannt. Dann kehren wir Bryce Canyon den Rücken und fahren ins Flachland, Richtung Capitol Reef NP. Angeblich soll dort kein Schnee liegen.

Auf halber Strecke machen wir Rast im Escalante Petrified Forest State Park und bleiben auf einem kleinen süßen Campingplatz (kostenlose Dusche, yeah!) direkt am See. Die Nacht war doch etwas kurz und wir sind beide ziemlich erschöpft. Nachdem wir uns ein paar ordentliche Scheiben unserer Brots mit Suppe reingezogen haben, ist es Zeit für ein Mittagsschläfchen.

Am späten Nachmittag, um wieder in Schwung zu kommen, ein kurzer Spaziergang durch das Umland und einen Hügel hinauf, um die namensgebenden versteinerten Bäume zu sehen. Auf dem Trail sind wir ganz allein, denn das Wetter ist nicht das beste. Der Untergrund besteht aus Lehm- und Tonschichten in allen möglichen Farben (deswegen von den Ureinwohnern Land der schlafenden Regenbögen genannt), der bei Regen jedoch ziemlich pratschig wird. Als wir uns einen kunterbunten Felsen ansehen, der vor Millionen Jahren mal ein Baum war, sehen wir uns plötzlich Auge in Auge mit einer kleinen Gruppe Hirsche. Sie starren genauso überrascht wie wir, dann trappeln sie langsam davon. Kurze Zeit später erblicken wir noch einen Hasen. Auf dem Rückweg, wie soll es auch anders sein, werden wir von einem Schauer erwischt. Gut, dass wir wenigstens für dieses Wetter gerüstet sind.

Tag 14 – 19.05. Dem Himmel so nah!

Wie der Wetterbericht bereits angekündigt hat, fängt es am frühen Morgen an zu regnen und hört auch vorerst nicht mehr auf. Nicht, dass das die Scharen an Touristen aufhalten würde, die sich in den Nationalpark drängen. Um zehn Uhr ist der Parkplatz bereits voll und wir fahren in den kleinen Vorort, um duschen zu gehen. Leider gibt es im gesamten NP keine Duschen und da unser Wasserheizer immer noch kaputt ist, müssen wir uns nach Alternativen umsehen. Wir finden einen der beiden einzigen Läden, die Duschen anbieten und schlagen bei einem Angebot von 5 § für sieben Minuten zu. Auf dem Hinterhof steht eine Wellblechhütte, in der drei winzige Nasszellen zusammengeschustert worden sind. Die Bude hätte etwas von nostalgischem Prärie-Charme versprüht, wenn es nicht an allen Enden reingeregnet hätte. Wir beeilen uns (der Kälte wegen) so sehr, dass sogar eine der beiden Duschmarken gereicht hätte. Da der Umtausch aber natürlich ausgeschlossen ist und wir morgen früh keine Zeit mehr zum Duschen haben werden, gibt es weitere sieben ungenutzte Minuten warmes Wasser.

Wieder zurück um Nationalpark hat sich das Wetter nur wenig gebessert. Das hiesige „Museum of Human History“ ist eigentlich viel zu klein um sich Museum nennen zu dürfen. Nach wenigen Minuten sind wir bereits durch. Kevin will unbedingt noch zum Angels Landing, ein Aussichtpunkt, der so weit oben in den Felsen liegt, dass die Leute von damals meinten, nur Engel könnten so hoch aufsteigen. Und da will Kevin rauf! Von unten an der Straße sieht man winzige bunte Fetzen, vermutlich Touristen, am Rande einer über 400 m hohen Steilwand. Der Weg windet sich in 21 Zickzack-Kurven am Fels entlang, hinter jeder Biegung muss ich verschnaufen. Kevin hat mir versprochen, dass wir nur so weit gehen, wie ich kann und am Ende ein kleines Leckerli im Café in der Canyon Lodge erhalte. Drei Stunden Gejaule später erreichen wir eine Biegung, von der aus man einen herrlichen Blick in das malerische Tal des Virgin River hat. Tatsächlich reißt zwischen zwei Gewitterformationen sogar der Himmel kurz auf und schenkt uns ein paar Strahlen Sonne, um das Panorama festzuhalten. Während ich mich auf eine schmale Mauer setze, will Kevin „nur kurz um die nächste Ecke gucken“. Er lässt mich eine halbe Stunde allein, dann kommt er wieder und meint, wir wären so gut wie oben. Da sich der Himmel aber bereits wieder dunkel verfärbt und der letzte Kilometer vollkommen frei auf einem Berggrat verläuft, beginnen wir mit dem Abstieg. Nach gefühlten zehn Minuten sind wir wieder unten an der Bus-Station.

Die beiden Fotos wurden dort oben aufgenommen.

Der Besuch im „Café“ ist mehr als enttäuschend. Nicht nur, dass es sich dabei um einen Selbstbedienungsladen handelt, nein, die Kaffeemaschine ist auch hin und sie können uns nur Filterkaffee anbieten. Die Softeismaschine ist ebenfalls nicht in Betrieb und Leckereien in Süß gibt es auch keine. Meine Laune sinkt unweigerlich, also fahren wir zurück zum Campingplatz und machen uns Ravioli in Tomatensoße. Dazu das obligatorische Glas Wein im Plastikbecher.

Heute heißt es zeitig schlafen gehen, da wir uns morgen bereits früh auf den Weg in Richtung Bryce Canyon machen wollen, um dort noch eine schöne Site auf dem Campingplatz zu ergattern.

Tag 13 – 18.05. Felsenziesel überall!

8:30 Uhr. Eigentlich hatten wir heute vor, früh aufzustehen. Eigentlich. Doch Julia denkt nicht im entferntesten daran, aus dem Bett zu kriechen. Für heute stehen einige Wanderungen auf dem Programm und da heute bestes Wanderwetter und noch dazu Samstag ist, wird der National Park wahrscheinlich ziemlich voll werden. Auf dem Weg zum Klohäuschen erblicken wir einen Kolibri und einen Hirsch, der seelenruhig zwischen den Campern grast und sich überhaupt nicht dabei stören lässt. Scheinbar braucht man gar nicht am Tag der Eröffnung des Grand Canyon NP in die Wildnis, um Wildlife hautnah mitzubekommen.

Nach den üblichen Vorkehrungen machen wir uns auf zum Visitor Center, holen uns eine Wanderkarte und dann geht es mit dem Shuttle-Bus bis zur Endstation. Dort wartet der River Side Walk: Ein kurzer aber schöner Trail entlang des Virgin Rivers bis zu dem Punkt, an dem Verrückte ihre Wasserschuhe anziehen und den Rest des Wegs durch das Wasser watend zurücklegen. Aber nicht heute, denn die Regengüsse der letzten Tage haben den Fluss so stark anschwellen lassen, dass eine Wanderung dort drin lebensgefährlich werden könnte. Wir verweilen eine Weile in einem Pulk aus Touristen, der immer wieder durch ziemlich aufdringliche Felsenziesel aufgeschreckt wird. Die Felsenziesel sind einfach überall und in gewisser Weise darauf abgerichtet, die Touristen nach allem Essbaren anzubetteln. Das ist natürlich wie in jedem Nationalpark streng verboten und wird mit 100 $ Strafe gesühnt.

Weiter geht es mit dem ebenfalls leicht zu erreichenden Wheeping Rock, einem Felsüberhang, von dem unablässig Wasser tropft und so ein hängender Garten unter der Decke entstanden ist. Auch hier steht man sich zwischen den ganzen Tagestouristen die Füße platt.

Zu guter Letzt machen wir uns an den kurzen, aber steilen Marsch zu den Emerald Pools, wo ein Wasserfall einen kleinen Teich mit grünlich-milchigem Gletscherwasser füllt. Nach ein paar schönen Fotos machen wir uns an den Rückweg, schlagen dann aber einen offensichtlich weniger gefragten Trampelpfad ein, der sonst eher für Muli-Trips genutzt wird. Wir genießen die Idylle, das schöne Wetter und die wenigen anderen Wanderer, die uns entgegen kommen. An einem von der Sonne gewärmten Felsen verdrücken wir einen Mittagsimbiss, dann ist aber auch langsam die Luft raus. Es geht auf vier Uhr zu und wir bekommen mächtig Kohldampf.

Im Camper machen wir uns Nudeln mit Lachs-Sahnesoße, die wir endlich mal draußen auf unserem Stellplatz im Grünen genießen können. Den Rest des Tages sonnen wir uns in den Campingstühlen. Der Plan sieht vor, später noch ein Lagerfeuer zu entzünden und auf einen klaren Sternenhimmel zu hoffen.

Tag 12 – 17.05. Zion National Park

7:00 Uhr. Die Nacht blieb sehr stürmisch, irgendwann hat es mal wieder geschneit, denn als wir heute morgen aufgestanden sind, waren noch einige Fetzen Weiß zu sehen. Heute steht der Zion National Park auf dem Programm; mein persönliches Highlight dieser Reise. Nach dem Frühstück beginnt auch Julias Highlight: ihre erste Fahrstunde mit dem Wohnmobil. Wir haben beide Sorge, die Fahrt nicht heile zu überstehen, aber Julia schlägt sich überraschend gut. Nach etwa 60 km beginnt kurzzeitig die Zivilisation (verbunden mit Vorfahrtsregeln und dergleichen) und wir einigen uns, mir wieder das Steuer zu überlassen. Wir legen eine kurze Pause in Kanab ein, dem letzten „größeren“ Örtchen vor dem Zion NP. Da wir die nächsten drei Nächte dort verbringen wollen, müssen wir unsere Vorräte aufstocken. Anschließend noch einen kurzes Telefonat in die Heimat, damit die Mamas beruhigt weiterschlafen können.

Die Zufahrt zum Zion ist bereits beeindruckend. Die enge Passage zwischen himmelhohen Felswänden erinnert an eine Oase in der Wüste, eingehöhlt in einen Canyon. Bevor wir uns durch einen Tunnel quetschen müssen, der so schmal ist, dass für Wohnmobile der Verkehr nur einseitig fließen kann, laufen uns ein paar Dickhornschafe vor die Kamera.

Der Nationalpark selbst ist nur bis zum Visitor Center für den öffentlichen Verkehr freigegeben. Alle Touristen müssen für weitere Tripps in den Canyon auf den kostenlosen Shuttle-Bus umsteigen. Das Warten dauert nicht lange, da die Busse eine Taktung von weniger als 15 Minuten haben, und um 16 Uhr kaum noch Touristen in Richtung Berge wollen. Wir erwischen ein Gespann, das scheinbar von einem Hundertjährigen gelenkt wird. Gemächlich zuckelt der Bus den Weg entlang des malerischen Flussbetts mit Wiesen, Weiden und grasenden Hirschen hoch bis zur Endstation. An jeder Zwischenhaltestelle gibt der Fahrer ein paar nützliche Infos, zum Beispiel den, am „Weeping Rock“, also weinenden Felsen, ein paar Taschentücher einzupacken. Diesen nutzen wir und fahren gleich mal bis zur Endstation. Da das Wetter ausschließlich morgen hervorragend werden soll (20 °C und Sonne pur), merken wir uns schonmal vor, wo wir morgen überall aussteigen und wandern wollen.

Heute Abend wollen wir nochmal außer Haus essen gehen. Am frühen Abend geht es daher ebenfalls per kostenlosem Shuttle-Bus nach Springdale. Wir erblicken ein mexikanisches Restaurant, das uns auf Anhieb anspricht und genießen authentische Tostados und Enchiladas zusammen mit echten Tortilla Chips und hausgemachten Dips, dazu natürlich ein kühles Corona – nicht ohne Limettenschlitz.

Tag 11 – 16.05. Fußspuren

Nachdem wir gestern noch eine Pizza in unserem Minibackofen gemacht haben, fällt das Frühstück heute kleiner aus und wir beschränken uns auf Cornflakes.

Heute wollen wir zum Cape Royal, einem etwas abgelegeneren Aussichtspunkt im Grand Canyon National Park. Leider ist die Zufahrtsstraße dorthin noch wegen Sanierungsarbeiten gesperrt, also fahren wir weiter zum Point Imperial. Dort angekommen entschließen wir uns, den Imperial Trail zu laufen. Dieser liegt abseits vom üblichen Touristentrubel und wir wandern diesen Trampelpfad praktisch allein. Unterwegs stoßen wir auf eine Reihe von Fußspuren und Haufen. Wir vermuten, es handelt sich neben recht offensichtlichen Hirschspuren um die riesigen Hufabdrücke von Bisons.

Am frühen Nachmittag machen wir uns auf den Rückweg zum Campingplatz. Es ist an der Zeit, unsere Wäsche zu waschen. Während die Waschmaschine läuft, nutzen wir die Zeit zum Duschen. Die besten Duschen auf unserer bisherigen Reise! Sauber, ordentlich, modern, da bezahlt man gerne ein paar Quarters.

Die Zeit bis zum vorabendlichen „Condor Program“ verbringen wir im General Store des Campingplatzes. Neben einem kleinen Kaffeeautomaten und den wichtigsten Lebensmitteln gibt es hier einfach alles zu kaufen, was das Camperherz begehrt. Mit einem extrem süßen Capucchino setzen wir uns an unsere Blogeinträge und laden sie mit erwartungsgemäß schlechtem WLAN hoch.

Dann geht es zum Amphitheater (ein Sitzkreis aus Bänken, den wirklich jeder Campground in einem Nationalpark hat). Dort wartet ein junger motivierter Ranger darauf, uns etwas über die vom Aussterben bedrohten Kondore zu erklären. Durch die Beschreibung der Vögel in der Luft bin ich mir fast sicher, einen auf dem Cathedral Wash Trail an den Vermillion Cliffs gesehen zu haben. Das soll bei nur rund 200 Exemplaren in freier Wildbahn ein echter Glückfall sein.

Nach dem etwa einstündigen Gespräch ist Kevin ordentlich durchgefroren. Wir beschließen, ein Feuerchen zu machen. Während Kevin also draußen versucht, die Holzscheite am Brennen zu halten, kümmere ich mich um die Sättigungsbeilagen. Obwohl es schon den ganzen Tag mehr oder weniger nach Regen aussah, entlädt sich natürlich genau jetzt alles. Kevin trotzt Regen und Sturm, durch die Gegend fegenden Kiefernnadeln und herabfallenden Kiefernzapfen. Ein benachbartes Zelt stürzt in sich zusammen, aber Kevin hält sich wacker. Als er vor Kälte zu schlottern beginnnt und wirklich dicke Tropfen das Feuer zu löschen drohen, haut er zwei dicke Stücke Rind aufs Feuer. Tatsächlich sind das die besten Steaks, die wir bisher gegessen haben. Wir ziehen uns für den Rest des Abends in den im Wind sanft schaukelnden Wohnwagen zurück und schließen die Gardinen.

Tag 10 – 15.05. Endlich: der Grand Canyon

6:00 Uhr und mir ist kalt. Also Zeit zum Aufstehen. Ich habe leider völlig unterschätzt, dass es in dieser Höhe nachts doch wieder ziemlich kalt wird und habe mich daher nicht entsprechend für die Nacht gekleidet. Nachdem wir beide gestern zum ersten Mal die Dusche im WoMo benutzen mussten, können wir uns heute zeitig die restlichen 60 km Richtung Grand Canyon vornehmen. Bis gestern war der Nationalpark noch wegen Winterpause geschlossen, dementsprechend ist heute besonders viel los. Bereits an der Zufahrt zum Nationalpark herrscht Stau. Am Vistor Center angekommen sieht es leider nicht besser aus. Parkplätze? Fehlanzeige. Zum Glück haben wir den Campingsplatz reserviert. Also stellen wir unser Mobil-Haus auf unserem Stellplatz ab und checken erstmal den kleinen Camping Store. Hier soll es WLAN geben und tatsächlich: es funktioniert, wenn auch nur mit Modem-Geschwindigkeit. Ich nutze die Chance und lade noch ein paar Bilder hoch.

Anschließend machen wir uns zu Fuß auf den Weg zum Visitor Center und der Grand Canyon Lodge. Eine kurze Wanderung von etwa 2 km entlang eines kleinen Nebencanyons. Von dort aus geht es weiter den Bright Angel Trail entlang, bis zu einer famosen Aussicht über den Grand Canyon. Julias Gejammer hält sich heute in Grenzen, offensichtlich kommt ihr Hormonaushalt wieder in Ordnung. Wir gönnen uns noch einen wirklich leckeren Hot-Dog, bevor wir uns langsam auf den Rückweg zum Campingplatz machen wollen. Während ich einen kurzen Abstecher zum Gift Shop mache, verschwindet Julia auf dem Klo, als plötzlich der Strom im ganzen Nationalpark ausfällt. Ich bin mir nicht sicher, ob da ein Zusammenhang besteht…

Leider hat unser Wasserheizer nach dem Duschen gestern den Geist aufgegeben. Als Kevin zum Büro geht, um dort mit der Hotline zu telefonieren (Kein Handyempfang hier draußen) bemerken wir, dass der Strom immer noch nicht fließt. Hier geht heute wohl nichts mehr. Zum Glück funktioniert unser Camper mit Batterie und Gas.

Tag 9 – 14.05. Es. Ist. HEISS!

Es lässt sich bereits um zehn Uhr kaum noch im Camper aushalten. Wir packen unsere Siebensachen und düsen zum Cathedral Wash Canyon, ein Geheimtipp, da hier touristisch noch nicht allzu viel los ist. Pünktlich zur Mittagshitze sind wir da. Julias Begeisterung hält sich stark in Grenzen, aber Kevin gibt sein bestes, sie zu überreden. Der Trail führt am Grund des Canyons etwa 2,5 km lang bis zu den Ufern des Colorado. Schatten gibt es nur hier und da mal in ein paar Kurven. Die Schlammspuren sagen uns, dass es hier erst vor kurzem (vermutlich während des Blizzards) ordentlich geregnet hat. Davon jetzt aber keine Spur. An einer besonders schattigen Kurve treffen wir auf andere Wanderer. Uns kommt sogar eine Gruppe mit Kind entgegen. Das alles ändert allerdings nichts daran, dass sich Julia kaum noch für weitere Felsformationen auf dem Weg interessiert und am liebsten wieder umkehren möchte. Schließlich zieht Kevin alleine weiter, kommt aber bereits nach etwa 20 Minuten zurück, weil der Trail dann wohl doch etwas kniffeliger wird und man einen steilen Abschnitt runter- und später wieder raufklettern muss. Wir machen uns gemeinsam auf den Rückweg. Inzwischen sind tatsächlich Regenwolken über den Tafelbergen aufgezogen, doch der Regen reicht nicht bis ins Tal.

Weiter geht die Fahrt Richtung Jacob‘s Lake, rund 50 Kilometer vom Grand Canyon entfernt. Wir fahren aus dem roten Tal raus auf 8000 Fuß Höhe und finden uns binnen weniger Minuten mitten in einem Kiefernwald wieder. Es weht ein deutlich frischeres Lüftchen und das Beste: Auf dem Campingplatz gibt es endlich wieder Strom! Alle Geräte werden schleunigst in die verfügbaren Steckdosen und USB-Anschlüsse gesteckt. Nur WLAN gibt es immer noch keins, das heißt die Blogeinträge und Fotos müssen noch eine Weile in der Pipeline bleiben.

Tag 8 – 13.05. Rot, röter, Antelope Canyon

06:00 Uhr. Schon wieder eine Stunde Zeitverschiebung! Wir liegen hier genau auf der Grenze zwischen zwei Zeitzonen, daher ist nie ganz klar wieviel Uhr gerade ist. Nach dem Frühstück machen wir uns zeitig auf den Weg. Heute will sich Kevin den Glen Canyon Dam aus der Nähe anschauen. Die geführten Touren werden nach dem Prinzip „wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ vergeben. Wir haben Glück und die Tour, die in Kürze startet, hat noch Plätze frei. Wir erhalten eine 45-minütige Führung durch die Staumauer, bis runter in die Turbinenhalle und erfahren alles über seinen Bau und Nutzen. Für 10 $ ist das eine wirklich faire Sache.

Nach der Besichtigung des Glen Canyon Dam wollen wir uns eine Tour zum Antelope Canyon sichern. Wir bekommen eine Tour für 15 Uhr. Die Zeit bis dahin nutzen wir für einen Besuch des Horseshoe Bend, eine besonders malerische Schleife des Colorado Rivers, von der touristisch erschlossenen Felsklippe aus ein spektakulärer Ausblick. Und als hätten sie sich bis dato in Erdlöchern versteckt, stößt man plötzlich auf Heerscharen von Chinesen, die hier wie üblich mit großen Reisebussen angekarrt werden, während alle anderen Touristen mit Wohnmobil oder Auto anreisen. Der Parkplatz des Horse Shoe Bend gleicht einer Pilgerstätte. Alles wandert den etwa einen Kilometer Trampelpfad durch die Wüstensteppe Richtung Canyon rauf und runter. Nach ein paar Minuten im Gedränge erblicken wir außerhalb des umzäunten Bereichs eine Klippe, von der man Fotos schießen kann, ohne fremde Körperteile auf dem Bild zu haben. Wir nutzen unsere Chance und ergattern ein paar davon, bevor wir von der nächsten Gruppe Chinesen verscheucht werden.

Der Weg zurück zum Parkplatz ist ziemlich schlauchend, uns wird schnell klar, warum überall Warnschilder stehen, auf denen „Bring plenty of Water!“ steht. Mittlerweile sind es gefühlte 30 °C und die Sonne brennt vom Himmel. Da wir danach noch rund zwei Stündchen Zeit totschlagen müssen, fahren wir zum nächstgelegenen Starbucks und erfrischen uns mit Frappés. Danach fahren wir mit gemischten Gefühlen Richtung Antelope Canyon. Vermutlich wird das Gedränge dort nicht weniger werden…

Allerdings ist diese Sorge unbegründet. Unser Tourguide Kevin ist wieder einmal ein sympathischer Typ und unsere Gruppe besteht nur aus neun Personen. Tatsächlich gibt uns Tourguide Kevin reichlich Tipps für gute Fotos, weist auf optimale Belichtungen und Filter hin und macht darüber hinaus mit jedem Pärchen ein halbes Dutzend Fotos ohne fremde Touristen im Hintergrund. Damit hat er sich sein Trinkgeld wirklich mehr als verdient.

Als wir um halb fünf wieder zu Tage kommen, sind wir ziemlich durch. Kevin haut sich hinters Steuer und wir düsen durch die Prärie Richtung Lee‘s Ferry. Dort liegt ein kleiner idyllischer Campingplatz direkt am Flussufer des Colorado, auf dem es deutlich ruhiger zugeht, als mitten in Whawhep, dem absoluten Touristikzentrum für den gesamten Südwesten der USA. Wir ergattern einen tollen Platz und schmeißen den Grill an. Den restlichen Abend genießen wir bei inzwischen angenehmen Temperaturen.

Tag 7 – 12.05. Die steile Abfahrt

7:30 Uhr. Nach unserem Kraftakt gestern wollen wir es heute etwas ruhiger angehen lassen. Zum Frühstück gibt es Cornflakes, denn wir haben nur noch begrenzten Treibstoff. Unser heutiges Etappen-Ziel heißt Monument Valley. Nach etwa 20 km erreichen wir eine Biegung mit einem Schild: No Oversized Vehicles in 30 Miles, Steep Switchbacks. Wir kennen das schon aus Kanada und ich rechne mit einer sehr engen Kurve, die ich notfalls rückwärts nehmen muss. Doch als wir den Abhang erreichen, bin ich leicht schockiert. Es geht einige Hundert Meter abwärts, die Straße ist nicht mehr geteert und eine Sicherung in Form einer Leitplanke vermisst man hier ebenfalls. Hilft ja nichts, wir müssen darunter.

Monument Valley enttäuscht uns ein wenig. Na klar die Aussicht ist fantastisch, doch dafür mussten wir auch 20 $ zahlen, um die Straße ins Indianer-Reservat passieren zu dürfen. Um näher an die Gesteinsbrocken heran zu kommen, muss man eine geführte Tour bei den Navajo-Indianern buchen (ab 80 $ pro Person aufwärts). Das sparen wir uns und entscheiden kurzerhand, unser Ziel für morgen anzusteuern.

Julias Laune sinkt merklich (hormonell bedingt). Da hilft nur eins! Kurz am nächsten McDonalds angehalten und einen Mocca-Frappé bestellt und schon gehts wieder aufwärts… In der Kleinstadt Page angekommen, steuern wir den Campingplatz an. Leider sind bereits alle Stellplätze mit Strom- und Wasseranschluss ausgebucht. Aber wir bekommen einen schönen Stellplatz mit Seeblick. Das Wetter ist fantastisch, also Campingstühle raus und ab in die Sonne.