8:30 Uhr. Eigentlich hatten wir heute vor, früh aufzustehen. Eigentlich. Doch Julia denkt nicht im entferntesten daran, aus dem Bett zu kriechen. Für heute stehen einige Wanderungen auf dem Programm und da heute bestes Wanderwetter und noch dazu Samstag ist, wird der National Park wahrscheinlich ziemlich voll werden. Auf dem Weg zum Klohäuschen erblicken wir einen Kolibri und einen Hirsch, der seelenruhig zwischen den Campern grast und sich überhaupt nicht dabei stören lässt. Scheinbar braucht man gar nicht am Tag der Eröffnung des Grand Canyon NP in die Wildnis, um Wildlife hautnah mitzubekommen.
Nach den üblichen Vorkehrungen machen wir uns auf zum Visitor Center, holen uns eine Wanderkarte und dann geht es mit dem Shuttle-Bus bis zur Endstation. Dort wartet der River Side Walk: Ein kurzer aber schöner Trail entlang des Virgin Rivers bis zu dem Punkt, an dem Verrückte ihre Wasserschuhe anziehen und den Rest des Wegs durch das Wasser watend zurücklegen. Aber nicht heute, denn die Regengüsse der letzten Tage haben den Fluss so stark anschwellen lassen, dass eine Wanderung dort drin lebensgefährlich werden könnte. Wir verweilen eine Weile in einem Pulk aus Touristen, der immer wieder durch ziemlich aufdringliche Felsenziesel aufgeschreckt wird. Die Felsenziesel sind einfach überall und in gewisser Weise darauf abgerichtet, die Touristen nach allem Essbaren anzubetteln. Das ist natürlich wie in jedem Nationalpark streng verboten und wird mit 100 $ Strafe gesühnt.
Weiter geht es mit dem ebenfalls leicht zu erreichenden Wheeping Rock, einem Felsüberhang, von dem unablässig Wasser tropft und so ein hängender Garten unter der Decke entstanden ist. Auch hier steht man sich zwischen den ganzen Tagestouristen die Füße platt.
Zu guter Letzt machen wir uns an den kurzen, aber steilen Marsch zu den Emerald Pools, wo ein Wasserfall einen kleinen Teich mit grünlich-milchigem Gletscherwasser füllt. Nach ein paar schönen Fotos machen wir uns an den Rückweg, schlagen dann aber einen offensichtlich weniger gefragten Trampelpfad ein, der sonst eher für Muli-Trips genutzt wird. Wir genießen die Idylle, das schöne Wetter und die wenigen anderen Wanderer, die uns entgegen kommen. An einem von der Sonne gewärmten Felsen verdrücken wir einen Mittagsimbiss, dann ist aber auch langsam die Luft raus. Es geht auf vier Uhr zu und wir bekommen mächtig Kohldampf.
Im Camper machen wir uns Nudeln mit Lachs-Sahnesoße, die wir endlich mal draußen auf unserem Stellplatz im Grünen genießen können. Den Rest des Tages sonnen wir uns in den Campingstühlen. Der Plan sieht vor, später noch ein Lagerfeuer zu entzünden und auf einen klaren Sternenhimmel zu hoffen.
Super schöne Bilder vom „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ und ein realistischer, humorvoller und unterhaltsamer Reisebericht. Wünsche euch noch viele schöne Urlaubstage, auch von Nicole ( waren gestern zum Tiefenschnitt auf der Wehebachtalsperre) LG Sigrid